NEGRO, DAS PLAPPERMAUL

Schon seit ewigen Zeiten wünschte ich mir einen Papagei. Der Gedanke ließ mich nicht los. Ich kaufte mir ein Buch und las alles, was ich über einen solchen Vogel wissen musste. Dann ging ich in unser Zoofachgeschäf. Der nette Inhaber kannte mich schon eine Weile und ich mochte ihn recht gerne. Schon oft hatte er mich gut beraten, so auch heute. Er wusste viel über Papageien, weil er selber welche hatte. Irgendwie kamen wir auf andere Vogelarten und ich kaufte zuerst einmal ein Buch über Beos. Ich las das Buch mehrere Male und kam vom Papagei ab. Ich fand einen Beo viel besser und entschloss mich, einen zu kaufen.

Der Beo kommt aus der Familie der Krähen oder Raben und ist ein sehr gelehriges Tier. Seine Heimat ist Indien und dort wird er als Haustier gehalten. Zuerst einmal kaufte ich einen riesigen Vogelkäfig, dann alles, was so ein Beo braucht.

Ich nahm einen mittleren Beo. Es gibt noch einen kleinen und einen großen, aber der mittlere soll am besten sprechen. Mein Beo sah wunderschön aus, sein schwarzes Gefieder glänzte leicht bläulich, seine Füße waren orange und sein Schnabel auch. An beiden Kopfseiten hatte er orangefarbene Kopflappen. Ich nannte ihn Negro, das heißt „Schwarzer“ und kommt aus dem Spanischen.

Die Inder sagen, Beo bedeute Plappermaul, weil der Vogel viel spricht. In den ersten Tagen schaute ich den Vogel an und er schaute mich an. Keiner sagte etwas zu dem anderen. Dann nach zwei Wochen sagte ich jedes Mal „Hallo Negro“ zu ihm und nicht mehr. Er schaute mich an und sagte nichts. Ich dachte, vielleicht spricht der ja nie, aber ich machte weiter. Zu dem „Hallo Negro“, kam „wie geht es dir?“, und nach und nach „du bist ein schöner Vogel“, – „wann sprichst du mit mir?“. Das machte ich wochenlang. Manchmal dachte ich so bei mir, der spricht nie, aber ich gab nicht auf. Dann eines Tages sagte er „Hallo Negro“. Ich stand wie versteinert da und glaubte nicht, was ich da hörte.

Der Vogel hatte meine Stimme nachgemacht, der Wahnsinn! Und er war ein besonderer Vogel, er machte fast alles nach was er hörte. Er konnte miauen wie eine Katze, bellen wie ein Hund, er klingelte wie ein Telefon und er machte die Stimmen der Kinder nach. Wenn ich ihn aus dem Käfig holte, setzte er sich auf meine Schulter und spazierte mit mir durch das Haus. Wenn ich zum Waschbecken ging, wollte er Wasser trinken, er war ein toller Vogel. Oft musste ich über ihn lachen, wenn er wieder mal jemanden nachäffte.

Nach ihm wollte ich keinen Vogel mehr. So einen klugen Gesellen würde ich nicht mehr bekommen wie meinen Negro.

Foto: © DominoXL (Domino) / http://www.pixelio.de

Autor: Ursula Geier, November 2009 UrsulaGeier@web.de
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