Hollywoodstars zeichnen sich oft durch Allüren aus. Und Miezka und Mowgli halten sich scheinbar für Stars. Ob sie das mal werden, kann ich nicht sagen. Starallüren üben sie auf jeden Fall schon mal.
***
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Ruf ausging vom Katzenkraftwerk (einem Internetforum): Kommet zuhauf in die Stadt, die da heisset Mannheim, auf dass wir uns treffen zum Nikolaus Dinner in der Herberge von Benjamin’s Diner. Und dieses soll geschehen am Tage des St. Nikolaus.
So folgte auch ich dem Ruf und die Stubentigerin und der Stubentiger folgten mir nach. Denn Miezka und Mowgli haben mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad, also kommen sie mit, was sowieso immer und überall der Fall ist. Ausserdem hatte ich kundgetan, dass ich käme, wenn auch die beiden mitkönnten. Na klar, alles kein Problem.
Nur ergab sich am Vortag doch ein winzigkleines Problem. Dieses Problem manifestierte sich in der Technik meines fahrbaren Untersatzes und nennt sich Wasserpumpe. Und in diesem Fall kommt Murphys Gesetz zum tragen, als da heisst, was schief gehen kann, das geht auch schief. Denn ich könnte es selbst reparieren, wenn ich denn eine neue Wasserpumpe hätte. Hab ich aber nicht und beim Ersatzteilhändler bekomme ich die sehr informative Auskunft, dass man ein solcherart kompliziertes Hightech-Produkt bestellen müsse. Alles kein Problem, am Montag nachmittag hätte ich’s.
Ja, nun hab ich’s! Am nächsten Tag sollte ich in Mannheim sein und die liefern das Ding erst am Montag. Also bleibt mir nur ein Ausweg: Unsere allseits beliebte Bundesbahn. Alles kein Problem.
Also mache ich mich auf zum Bahnhof um ein Ticket zum Behufe der Fahrt nach Mannheim käuflich zu erwerben. Aber natürlich, teilt mir der überaus freundliche Schalterbeamte mit, der ICE ginge Sonntag kurz vor 8 Uhr und die Fahrt dauere etwas ein und eine halbe Stunde.
Alles kein Problem, das Ticket wird gekauft. Scherzhafterweise erwähne ich noch Mowgli, der auf seinem Lieblingsplatz auf meiner Schulter sitzt: „Aber der braucht kein Ticket.“ Die Freundlichkeit des Bahnbediensteten lässt schlagartig nach. „Nein, natürlich nicht, aber Tiere dürfen nur in einer Transportbox befördert werden.“ Wenn ich das so handhaben würde, wäre das alles kein Problem.
So! Kein Problem? Ich habe zwar eine Transportbox, nur ist die eben nicht gerade für zwei Fellmonster geeignet, vor allem in anbetracht von Mowglis Grösse, sie ist eher für Notfälle gedacht. Also muss dringendst eine Transportbox beschafft werden, in die beide Fellnasen passen. Dürfte kein Problem sein.
Ist es aber. Denn was da so angeboten wird, ist wohl eher zur Verschickung von Minihamstern geeignet und nicht für zwei ausgewachsene Raubkatzen. Doch in einer kleineren Zoohandlung werde ich schlussendlich dann doch fündig. Der Sonntag kann kommen.
Und er kommt auch und mit ihm ganz planmässig (!) der ICE. Die Transporttasche mit Miezka und Mowgli kommt auf den Nebensitz, da habe ich alles im Blick. Na also, ist doch alles kein Problem.
Bis auf die Tatsache, dass es Mowgli tatsächlich schafft, von innen den Reissverschluss der Transporttasche aufzudrücken. Er will raus und Miezka auch. Dafür habe ich vollstes Verständnis, sind die Beiden ja keine solcherart beengte Reisen gewöhnt. Aber es hilft nichts, da müssen sie durch. Also werden sie wieder in die Tasche zurückverfrachtet, wo sie dann auch bleiben. Jedenfalls bis zum nächsten erfolgreichen Ausbruchsversuch.
Das kann ja noch was geben, bis wir in Mannheim sind.
Irgendwo kurz vor Mannheim ist dann endgültig Schluss und sie wollen beide nicht mehr in die Box zurück. Wenn jetzt ein Schaffner kommt, gibt’s Probleme, dazu braucht es keinerlei hellseherische Fähigkeit. Oh, ich Uunglückseliger, welch Unheil dräuet mir! Aber scheinbar ist mir das Glück hold und wir kommen fast pünktlich an. War doch alles kein Problem.
Mowgli nimmt wieder seinen Platz auf der Schulter ein und diesmal gesellt sich auch Miezka zu ihm. Jetzt noch die richtige Strassenbahn gefunden und dann sind wir da. Natürlich werden wir in dieser Stadt und in der Tram bestaunt wie das Achte Weltwunder, aber an dieses sattsam bekannte Ritual haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Und genau zum richtigen Zeitpunkt laufen wir bei „Benjamin’s Diner“ ein.
Vor dem Lokal stehen Autos und in einem davon sitzen mehrere Personen. Ich kenne die Leute vom Katzenkraftwerk nur von Fotos und aus dem Forum und Chat, persönlich habe ich sie noch nie getroffen. Aber sie kennen mich auch von Fotos, ausserdem bin ich ja mit zwei Katzen auf dem Rücken unübersehbar.
Die Leute steigen aus und es sind tatsächlich die vom Katzenkraftwerk. Da gibt’s erst mal eine Begrüssung.Man sagt, dass man bei neuen Bekanntschaften auf sein Bauchgefühl hören sollte, der erste Eindruck sei meistens der richtige. Und genau so ist es auch hier. Alle sind mir vom ersten Augenblick an sympathisch.
Dann geht’s ins Lokal. Das hat eine typisch amerikanische Einrichtung. Und wir werden auch gleich begrüsst: „Das sind also die Katzen.“ Ein Raum ist in der oberen Etage reserviert und weihnachtlich geschmückt. Es sind schon fast alle Mitglieder des Katzenkraftwerks da ca. 30 bis 40 Personen. Und Miezka und Mowgli werden schon sehnsüchtig erwartet. Es gibt ein riesiges Hallo für die beiden. Sie bekommen unzählige Streicheleinheiten, die sie auch geniessen. Miezka klettert gleich auf Bines Rücken, während sich Simone gleich mal Mowgli krallt, der das alles mit absoluter Gelassenheit über sich ergehen lässt.
Die Samtpfoten müssen ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen, das manchem Star zur Ehre gereicht hätte. Doch erst mal werden beide abgeleint. Auf die Fragen, ob die jetzt nicht abhauen würden, muss ich immer wieder erklären, dass das nicht der Fall wäre. Kein Problem, die Beiden sind ja das Reisen gewöhnt und immer dabei, wenn das möglich ist. Und offensichtlich geniessen sie es, im Mittelpunkt zu stehen. Stars eben.
Es wurde auch eine Aktion für das Tierheim in Altrich geplant. Also, dass jeder was mitbringt, Katzenfutter, Spielzeug und ähnliches. Und eben dieses wird erst mal auf der Fensterbank deponiert. Als aber Mowgli fürs Erste genug Streicheleinheiten und Zuwendung bekommen hat, muss er erst mal studieren was denn da so interessantes liegt. Ausgiebig wird alles beschnüffelt, doch wahrscheinlich ärgert er sich darüber, dass er die Dosen nicht aufbekommt. Auch Miezka lässt sich erst mal auf der Bank nieder, wo sie wieder die komplette Aufmerksamkeit hat. Kein Problem für die beiden Miezen.
Erst als der Nikolaus kommt und „Oh Tannenbaum“ angestimmt wird, wird es ihr zuviel. Ähnlich wie sich ein Star beim Dreh in seinen Wohnwagen zurückzieht, verlagert Miezka ihre Anwesenheit unter die Bank. Vielleicht steht sie nicht auf Weihnachtslieder. Mowgli dagegen denkt nicht daran, seinen Platz auf der Fensterbank zu verlassen.Er sonnt sich lieber im Rampenlicht und lässt sich bei dieser anspruchsvollen Tätigkeit nicht stören.
Dann wird bestellt und kurz darauf kommt das Essen. Es ist wirklich sehr gut. Angeregte Gespräche kommen auf und ich muss sagen, dass mein erster Eindruck nicht getäuscht hat. Es sind wirklich alle gut drauf.
Irgendwann kommt auch Miezka wieder unter der Bank hervor und beginnt den Raum zu inspizieren. Besonders der Weihnachtsbaum mit seinem Lametta und den Glitzersternchen hat es ihr angetan. Sie will damit spielen, aber jemand nimmt sie, denn es könnte nicht gut ausgehen, zumindest für den Weihnachtsbaum.
Und immer wieder bin ich der Frage ausgesetzt, wie das geht, dass ich die Beiden überallhin mitnehmen kann und die sich nicht französisch verabschieden. Aber solange die beiden Miezen wissen, dass ich in der Nähe bin, bleiben sie auch da. Das ist alles kein Problem.
Miezka hat sich vorläufig wieder unter die Bank verkrochen, einmal muss sich auch ein Star einfach mal zurückziehen. Mowgli bleibt auf der Fensterbank bei der Weihnachtsdekoration, was vom Servicepersonal erstaunt zur Kenntnis genommen wird. Sind sie doch von der Annahme ausgegangen, keine Katze als Dekoration verwendet zu haben. Aber vielleicht will er ja erst mal als Model anfangen, bevor er zum Star aufsteigt. Kein Problem, soll er doch.
Gelegentlich gehe ich nach unten und ins Freie, zusammen mit anderen. Auch da gibt es interessante Gespräche und ich freue mich, die Leute kennenzulernen, die ich sonst nur virtuell kenne.
Irgendwann kommt auch das Wichteln, denn jeder hat ein kleines Geschenk mitgebracht. Ich bekomme ein kleines Täschchen mit Stoffmäusen. So etwas ist das Lieblingsspielzeug meiner Miezen. Na, die werden sich freuen.
Miezka ist wieder unter der Bank hervorgekommen und hat sich in der Nähe von Mowgli niedergelassen. Dort lässt sie sich wieder durch viele Streichler verwöhnen, wie es sich für echte Stars geziemt. Aber irgendwann hat sie auch genug. Denn als Stephan sie streicheln will, faucht sie ziemlich aggressiv und fährt die Krallen aus. Auch so ein Star hat ja seine Allüren. Ok, jetzt will sie endgültig ihre Ruhe haben. Kein Problem, soll sie.
Mowgli interessiert das alles nicht so, er findet wieder den Weihnachtsbaum interessant. Denn schliesslich hat er so einen noch nie gesehen und man muss ja auf dem Laufenden bleiben, was bei den Dosis so alles abgeht.
Es werden noch einige Urkunden an Mitglieder des Katzenkraftwerks verliehen und Bine wird als neue Moderatorin des Katzenkraftwerk-Forums vorgestellt.
Es ist später Nachmittag, als sich die Runde langsam verliert. Miezka und Mowgli werden wieder angeleint und es gibt eine grosse Verabschiedungsszene. Auf der Heimreise kommt es mir so vor, als wären beide ein klein wenig stolzer als vorher. Vielleicht werden sie doch mal Stars. So wie’s aussieht üben sie ja schon mal. Alles kein Problem.
Foto: http://www. foto-loeffler.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
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2 Kommentare
edithtg
28. Dezember 2009 von 06:41 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Das ist kein Bild aus unserer bevorzugten Bilddatenbank, das sind wirklich MMM: Mike, Miezka und Mowgli.
Geier Ursula
31. Dezember 2009 von 04:54 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Die Geschichte hab ich mir gerade bildlich vorgestellt und ich finde sie großartig. Ja, das Leben ist einfach schön, wenn man Tiere hat, lieben Gruß.