Alle um einen großen Tisch

Wenn ich so an früher denke, da war die Welt noch in Ordnung. Die Familie bestand aus Eltern, Kindern und Enkelkindern, und sie lebten alle zusammen in einem Haus. Die Familie besteht immer noch aus den denselben Personen, so ist es auch heute noch, aber sie leben getrennt, jeder für sich.

Und dabei war es so schön, einer für alle, alle für einen! Den Spruch hatten schon die drei Musketiere und es funktionierte prächtig. Keiner war alleine, alle halfen sich, und das machte das Leben erträglich und leicht.

Meistens wohnten alle in einem Haus. Okay, die Häuser waren größer, die Wohnungen vermutlich etwas kleiner, nicht so komfortabel wie heute, aber behaglich. Schon die Küche unterschied sich von der Küche die es heute gibt: eine echte Wohnküche mit einer großen Eckbank und mehreren Stühlen, die um einen großen Tisch standen.

Der Herd ein wunderbares gusseisernes Ungetüm mit einem Wasserschiffchen in dem immer kochendheißes Wasser drin war. Die eisernen Ringe oben auf dem Herd, durch die das Holz hinein getan wurde. Und wenn es schnell gehen musste, dann wurden die Ringe entfernt und der Topf wurde viel schneller heiß und das Essen kochte ratzfatz.

Feuer gemacht wurde mit kleinem Abfallholz, später wenn es brannte kamen dicke Holzscheite dazu. Es prasselte und zischte. Herrlich so ein Feuer! Zuerst war es eine sanfte Wärme, sie steigerte sich zur dampfenden Hitze und der Ofen heizte oft das ganze Haus. Oft wurde auch Wäsche auf dem Ofen gekocht oder Gemüse und Obst eingekocht. Sogar Windeln wurden gewaschen, und die Wäsche erstrahlte in fleckenlosem Glanz.

An dem riesigen Tisch saßen manchmal 12 und mehr Personen und aßen. Da schmeckte es jedem und alle fühlten sich wohl und gut aufgehoben. Oder man schälte Kartoffeln, pulte Erbsen aus, schnippelte Bohnen, putzte Salat oder tat sonst etwas Nützliches.

Sogar die Wäsche wurde zusammengelegt, gezogen, gebügelt, die Socken geflickt und die Wäsche ausgebessert. Kuchen wurde gebacken an dem Tisch, Brot natürlich auch, und gespielt haben wir an dem Tisch: Schiffe versenken, Schafkopf, Mau-Mau und andere Spiele.

Es herrschte eine Fröhlichkeit an diesem Tisch und eine Zusammengehörigkeit die einem das Herz erwärmte. Wir lachten an diesem Tisch und freuten uns an diesem Tisch,wir waren eine Einheit an diesem Tisch, und wir liebten diesen Tisch.

Und wir haben gesungen an diesem Tisch, laut und fröhlich, manchmal sogar dreistimmig. Unsere Stimmen jubilierten und stiegen hoch in die Luft und erfreuten uns und die Menschen, die um uns waren. Geschichten haben wir gelesen an dem Tisch, oft war es mucksmäuschenstill an diesem Tisch, so richtig ehrfürchtig ging es zu.

Heute gibt es kleinere Tische und meist sitzen nur noch wenige Personen um den Tisch. Fast jeder hat seinen eigenen kleinen Tisch. Irgendwie traurig sitzen wir um unsere Tische, lachen weniger, singen weniger und reden weniger an unserem kleinen Tisch.

Wir sollten wieder große Tische haben, die Familie mit Uroma und Oma und Eltern und Kindern an einem großen Tisch sitzen und sich freuen das wir zusammen sein können, dann wäre für mich die Welt wieder schöner und bunter.

Foto: © SarahC. / http://www.pixelio.de

Autor: Ursula Geier, November 2009 UrsulaGeier@web.de
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2 Kommentare

  1. Ich kenne das auch noch, das mit der Wohnküche. Da hat sich bei uns das Leben abgespielt, mehr als im Wohnzimmer. Wenn ich mir jetzt die modernen Wohnungen anschaue, gefällt mir keine, weil die Küchen entweder winzige Arbeitszellen sind oder aber offen zum restlichen Wohnraum hin. Das gefällt mir auch nicht.

    Ich glaub, in dieser Hinsicht hätte ich es gerne wie früher, da bin ich altmodisch.

  2. Ja, super, das ist genau der Richtige Tisch, da macht doch das Leben wieder Spaß und schmecken tut es auch viel besser. Tolle Fotos vielen Dank liebe Frau Nebel.
    Ursula Geier

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