«

»

Geier

Beitrag drucken

Die Katze Steffi will keine Mutter sein

Unter unseren Katzen hatten wir eine junge Karthäuserkatze eine echte Schönheit, und das wußte sie auch. Beim Laufen sah sie aus wie ein edler Tiger, so geschmeidig waren ihre Bewegungen, man konnte sie auch mit einer schönen Frau vergleichen, die nicht ging, sondern schritt.

Die Kater saßen im Halbkreis um sie herum, aber sie ließ alle abblitzen. Keiner schien ihr gut genug zu sein. Gelangweilt blickte sie in die Runde, rollte sich ein paar Mal am Boden, dann verschwand sie wie der Blitz im Haus. Die Kater erstarrten vor soviel Frechheit, aber sie warteten immer wieder.

Ich hatte so etwas noch bei keiner anderen Katze erlebt und war neugierig, wer der Sieger sein würde. Mitbekommen habe ich es nicht, aber einen Kater hatte ich in Verdacht, den älteren unter ihnen, einen Allerweltskater, nicht gerade ein Adonis, aber irgendwie lieb. Sein Fell schimmerte in verschiedenen Farben, seine Pfoten eher groß, der Kopf dick, das einzig schöne an ihm waren seine langen schwarzen Schnurrhaare.

Und dann wölbte sich bei der Katze Steffi das Bäuchlein, tatsächlich sie bekam Nachwuchs. Ich konnte es kaum erwarten. War der große Kater mit den langen schwarzen Schnurrhaaren der Vater, oder gab es doch noch einen anderen? Dann kam der Tag der Geburt und ich traute meinen Augen nicht: Da kam er um die Ecke, der Kater der kein Adonis war.

Ich suchte Steffi. Sie lag schon in dem für sie vorbereiteten Korb und atmete schwer. Jetzt passierte etwas, das ich noch nie zuvor gesehen hatte: Der Kater sprang mit einem Satz in das Körbchen und setzte sich hinter sie, um sie zu stützen. Dort blieb er, bis die Katzenkinder geboren waren. Zwei allerliebste Kätzchen, und sie glichen ihrer Mutter: zart, schön und mit silbergrauem Fell wie ihre Mutter Steffi.

Steffi leckte ihre Kinder nicht ab, das besorgte der Vater, jener Kater der bei ihr im Körbchen saß. Er übernahm einfach die Pflichten der Mutter, es erschien ihm so selbstverständlich, und er blieb die ganze Nacht bei ihnen.

Langsam wurde es Zeit, dass die Katzenbabys gefüttert wurden, aber ihre Mutter drehte sich weg und schlief.

Die beiden Kleinen weinten und versuchten an die Zitzen ihrer Mutter zu kommen, aber die stand auf und lief weg. Ich wusste mir keinen Rat und lief der Katze Steffi hinterher. Das berührte sie nicht. Sie säugte die Kleinen einfach nicht. Ich trug ihr die Babys nach, legte sie ihr hin. Sie würdigte ihre Kinder keines Blickes und stolzierte davon.

Dann kam mir der Zufall – oder soll ich sagen, das Schicksal? –zu Hilfe. Unsere Mimi bekam ihre Kätzchen früher als erwartet, und ich legte ihr die zwei von Steffi einfach dazu. Es klappte, sie säugte die beiden, und ihre vier eigenen dazu.

Der Vater der Kleinen blieb in der Nähe, er beobachtete alles genau und manchmal wärmte er seine Kinder. Er liebte sie und versuchte, ihnen die Mutter zu ersetzen, die sich nach wie vor nicht um ihre Babys kümmerte.

So ging es den Kleinen doch noch gut, sie hatten eine Amme die sie säugte, einen Vater, der sie wärmte und beschützte, nur keine Mutter, die wollte sie einfach nicht. Sie schaute zwar ab und zu mal vorbei aber sie hatte die Babys nicht einmal berührt. Mir war das unverständlich: eine Katze die ihre Kinder nicht mag. Sie bekam komischerweise nie mehr Nachwuchs, aber sie blieb bei uns und schien sich wohl zu fühlen.

Die Kleinen liebten die Katze Mimi wie ihre eigene Mutter, und wurden wunderschöne Katzen.

Foto: © röda hexa (Elke Salzer) / http://www.pixelio.de

Autor: Ursula Geier, November 2009 UrsulaGeier@web.de
http://www.urska.jimdo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.tiergeschichten.de/2009/11/29/die-katze-steffi-will-keine-mutter-sein/

1 Kommentar

  1. Geier Ursula

    Liebe Frau Nebel
    herzlichen Dank für alles, das Foto ist wunderschön
    genauso sah sie aus meine Steffi. Leider sind die Bilder in Spanien verloren gegangen um so größer war meine Freude dieses Foto zu sehen,nochmals lieben Dank.
    Ursula Geier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.