Claus Beese: Bin ich Segler, oder was?

Ein Motorboot-Skipper auf Segeltörn

Claus Beese: Bin ich Segler, oder was?, Illustrationen: Lothar Liesmann, Goldebek 2007, Mohland Verlag, ISBN: 978-3-86675-048-7, flexibler Einband, 167 Seiten, Format: 14,5 x 20,5 x 0,9 cm, EUR 10,00.

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Motorboot fahren oder segeln – das ist eine Frage der Weltanschauung. So wie Microsoft-Rechner oder Apple Macintosh … wie Motorräder mit oder ohne Verkleidung … wie Camping-Urlaub oder Hotel.

Als Motorboot-Skipper Claus bei seinem Segler-Kumpel Wolfgang eingeladen ist und in gewohnter Manier über dessen Hobby spöttelt, stellt sich heraus, dass er das, was er hier durch den Kakao zieht, gar nicht aus eigener Anschauung kennt. „Mobo“ Claus ist noch nie gesegelt. Diesem eklatanten Missstand muss unbedingt abgeholfen werden, findet Wolfgang, und lädt Claus zur traditionellen Vatertagstour ein, einem Herrentörn, der diesmal zu den Heringstagen nach Kappeln an der Schlei führen wird.

Claus’ Frau und Tochter sind nicht begeistert, denn anders als ihre Motorboot-Fahrten mit der ganzen Familie ist das hier eine reine Männerveranstaltung. Die Damen müssten zu Hause bleiben. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Ehe es ernst wird mit dem Herrentörn, werden Claus und seine Frau erst mal zu einem Probe-Segelwochenende eingeladen. Schließlich muss Wolfgang ja sehen, wie Claus sich anstellt und welche Kenntnisse er ihm noch auf die Schnelle vermitteln muss.

Auch wenn Claus von all den unbekannten Abläufen und Fachbegriffen nach kurzer Zeit der Kopf schwirrt, findet er doch Gefallen am Segeln. Nur was „mit Lage segeln“ bedeutet, das hätte er vielleicht nicht fragen sollen …

Claus hat sich für den Herrentörn der Segler qualifiziert. Doch bevor es losgeht, muss er sich mit entsprechender Garderobe eindecken. Ein Erlebnis besonderer Art, wenn das neue Outfit nicht die komplette Urlaubskasse aufzehren soll – und wenn die Statur des Skippers nicht den Normen der Bekleidungsindustrie entspricht. Der Skipper hat den Einkaufsstress und der Leser kringelt sich dabei vor Vergnügen.

Dann endlich ist es soweit: Claus und Wolfgang gehen an Bord der BEERS, wo sie auf ihre Mitsegler Manfred und Andreas treffen. Ein Vater-und-Sohn-Team, das sie bis Flensburg begleiten wird. Dort wollen sie ein Segelschiff kaufen und damit die Tour fortsetzen.

Claus steht der Übermacht an seglerischer Kompetenz mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sind das nun die großen Könner und er ist der Diesel-Depp? In der Tat läuft es mit der Wissensvermittlung nicht optimal. Wie viele alt gediente Experten können sich auch die Segler nicht mehr so recht in einen Anfänger hineinversetzen. Sie erklären ihm vieles, was er längst weiß, setzen aber wiederum Kenntnisse voraus, die er nicht hat. Dadurch kommt es zu allerlei komischen, peinlichen und auch kritischen Situationen.

Dass er gar keine Ahnung von der Materie habe, das weist Claus allerdings entrüstet von sich. Immerhin hat er mit seinem Motorboot schon einige liegen gebliebene Segler in den sicheren Hafen geschleppt. Angesichts der Geschicklichkeit, mit der seine Segler-Gefährten die anfallenden Arbeiten verrichten, ist ihm jedoch bewusst, dass er noch viel zu lernen hat. Zu allererst vielleicht den korrekten Namen des Gottes der Winde. Und dass man sich nicht mit dem Klabautermann anlegt. Denn wie es aussieht, sind beide nachtragend. Auch der fachgerechte Umgang mit dem heimtückischen Spirituskocher will geübt sein. Wenn man es nämlich so macht wie Claus, tut Kaffee kochen weh. Sogar an Stellen, die der Kaffee normalerweise erst dann passiert, wenn er den Körper wieder verlässt …

Ganz alltägliche Verrichtungen werden an Bord des Segelschiffs auf einmal zu Herausforderungen, die gemeistert werden wollen.

Auch ein Segel anzuschlagen will gelernt sein und führt beim ersten Versuch lediglich zum Lacherfolg. Und als Claus ein Anlegemanöver fahren soll, während seine Freunde die Segel bergen, wird es sogar richtig gefährlich.

Zum Glück sind die Segler unserem Mobo-Skipper nur auf ihrem Fachgebiet überlegen. Vom Angeln, zum Beispiel, versteht er ungleich mehr als sie. (Hätte er sonst ein Buch zu diesem Thema schreiben können?) Mit recht unorthodoxen Bordmitteln fängt er einen stattlichen Dorsch und bereitet daraus ein Fischfilet zu, nach dem sich seine Kumpels alle zehn Finger lecken. Wodurch er in der Achtung der Herren mächtig steigt.

Wie die Segler es mit vereinten Kräften schaffen, den Preis für das Segelboot herunterzuhandeln, das Andreas in Flensburg kaufen will, das ist ein Kapitel für sich. Der Verkäufer der FLAVA sollte es in seinem eigenen Interesse lieber nicht lesen … Im weiteren Verlauf der Tour helfen die Segler unter anderem einem „Teesieb-Moses“ aus der Patsche und tauschen ihre wohlverdiente Nachtruhe gegen einen Laib Gouda,

Wenn Sie überdies wissen wollen, was Wasserhexen in der Dusche zu schaffen haben, wie Schiffe Weihnachten feiern und was auf dem Heringsfest, dem Ziel des Herrentörns, los war, dann lesen Sie am besten dieses Buch. Es ist überaus vergnüglich, absolut landrattentauglich, aber nur bedingt fürs Lesen in der Öffentlichkeit geeignet. Bei diesen Abenteuern kann man sich das Kichern und Schmunzeln nämlich nicht verkneifen. Die Ilustrationen von Lothar Liesmann tun ein Übriges: Er setzt die skurrilsten Szenen gekonnt ins Bild.

Auch für dieses Buch des Autors gilt: Wer Spaß an witzigen, pleiten-, pech- und pannenreichen Erlebnisberichten seiner Mitmenschen hat und dann und wann ein winziges Bisschen Schadenfreude erübrigen kann, dem sei dieses Büchlein empfohlen.

Homepage des Autors: http://www.claus-beese.de
Homepage des Illustrators: http://www.lothar-liesmann.de

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://edithnebel.wordpress.com

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