2007: Neues von Mäxchen oder Ein unglaublicher Hund

Fortsetzung von http://tiergeschichten.wordpress.com/2006/10/31/maxchen/

Nun sind schon wieder 2 Jahre ins Land gegangen. Unser Max ist alt und grau geworden, von seiner unbändigen Lebensfreude hat er jedoch nichts verloren.

Noch immer reist er mit uns auf den Campingplatz. Es gibt für ihn nichts schöneres, als dort herumzustromern, alle Nachbarn zu besuchen und sich anständig verwöhnen zu lassen. Am liebsten geht er zu unseren holländischen Nachbarn. Kein Wunder kaum hat er seine kleine Ledernase zum Zelt hereingesteckt erschallt auch schon: „Na mien Hundje wullst een lecker Kukje?“ – Na was soon richtiger verfressener Hund ist der sagt da nicht nein. Schwanzwedeln steht unser Moppel dann vor dem Schrank und wartet auf seinen Vollkornkeks. Noch ein paar Krauler und dann kommt er wieder auf unseren Platz.

Doch nun wird alles anders. Nichts mehr mit Kukjes oder anderen Leckereien.

Alles fing im letzten Jahr an. Unsere kleine Leberwurst auf 4 Pfoten wurde immer träger. Spazieren gehen und mit anderen Hunden spielen? Fehlanzeige. Am liebsten lag er auf seiner Decke und döste vor sich hin. Na ja, haben wir uns gedacht, er wird langsam alt. Da er sich sonst nicht veränderte, haben wir uns nichts dabei gedacht.

Das Jahr ging zu Ende – neugierig wie immer begrüßte Mäxchen das neue Jahr. Schwanzwedelnd stand er in der Haustür und schaute was die Menschen draußen so trieben, dann trottete er wieder rein. Der Geruch war doch zu streng für seinen empfindlichen Riechkolben.

Die Tage und Wochen vergingen. Es gab Tage, da war Max wieder fast ein junger Kerl und an anderen lag er auf seiner Decke und kam kaum hoch. Nur seine Kraul- und Kuscheleinheiten holte er sich wie gewohnt am Abend pünktlich zur Tagesschau.

Unser Max ist krank

Dann kam der bewusste Samstag. Ich war mit unserem Wau die gewohnte Runde gegangen. Dabei war mir aufgefallen, dass er kaum strullte und wenn, kam nur ein ganz dünner Strahl. Auch wich er kaum von meiner Seite.

Unruhig fuhr ich gleich am Montag mit ihm zum Tierarzt. Diagnose – ein riesiger Blasenstein machte ihm das Leben schwer. Gleichzeitig stellten die Tierdoktoren einen Herzklappenfehler und Wasser in den Lungen fest.

„Machen sie sich keine Sorgen da kann nichts passieren, die Harnröhre ist frei. Er bekommt jetzt Tabletten und in 10 Tagen operieren wir ihn.“ –
Am nächsten Tag kam noch weniger Urin. Wieder riefen wir bei den Ärzten an. Wieder nur beruhigende Worte.

Wieder beim Doktor

Am nächsten Tag schauten mich traurige Hundeaugen an. Ein kleiner Hundekopf presste sich an meine Beine und ein zartes Fiepen sagte: „Frauchen – bitte hilf mir.“ Meine Tochter, die gekommen war, um nach ihren Liebling zu schauen, war entsetzt. Und mir tat’s Herz weh, den kleinen Kerl so leiden zu sehen.
Am Nachmittag erreichte ich endlich die Tierärztin. Glücklicherweise war ihr Mann nicht da, und so schickte sie mich weiter zu einer befreundeten Kollegin, die eine etwas größere Tierklinik besitzt.

Lebensgefahr

Ein Blick auf die mitgebrachten Röntgenbilder und die Sache stand fest: Harnröhre dicht – von wegen nur ein Stein. Zwei weitere saßen in der Harnröhre. Sofort OP, Chance 50:50 – oder einschläfern. Von wegen! Die Chance sollte er haben.

Nachdem er narkotisiert war, machten wir uns schweren Herzens auf die Heimfahrt. Ich gestehe, meinem Mann, mir und Melanie liefen die Tränen wie Sturzbäche aus den Augen. Schließlich wussten wir nicht, ob unser Stinker wieder kommt.

Bei jedem Klingeln des Telefons zuckten wir zusammen. Es waren immer unser Schwiegersohn und unser Sohn. 5 Stunden später der erlösende Anruf. Zumindest die Operation hatte er schon mal überstanden. Am nächsten Tag durften wir ihn abholen. Dort erfuhren wir, dass seine Chancen in Wirklichkeit nur 10-20% betragen hatten.

Ein unglaublicher Hund

Und wie stand’s um den Dicken. Langsam, vorsichtig aber schwanzwedelnd kam er uns entgegen und zeigte uns, wie er strullern kann. Noch nie habe ich eine Tierärztin gesehen die sich so freute, dass ein Hund in ihrer Praxis Seen hinterließ. „Ein unglaublicher Hund, ein unglaublicher Hund.“ Immer wieder sagte sie diesen Satz. “Er muss Sie unendlich lieben. Die Schmerzen müssen die Hölle gewesen sein und das seit längerem.“

Auf meine Frage, wieso wir das nicht bemerkt haben, sagte sie: „ Er liebt Sie so unendlich, dass er das verheimlicht hat. Er wollte bei Ihnen, seinem Rudel bleiben. Unsere Hunde stammen ja bekanntlich von den Wölfen ab, und die verstoßen kranke und alte Tiere. Das wollte er nicht – deshalb haben sie nichts bemerkt.“

Ach Mäxchen – wir haben dich auch lieb.
Wieder flossen Tränen – aber diesmal vor Freude und Rührung.

Zwei Wochen sind seitdem vergangen. Mäxchen ist wieder ganz der Alte. Nein besser – es ist, als sei er 5 Jahre jünger. Er rennt und tobt wieder durch die Gegend, spielt mit anderen Hunden und freut sich, wenn wir 2 – 3 Stunden spazieren gehen.

P.S. An alle die uns gesagt haben 1.000,- Euro für eine Tierarztrechnung sind rausgeschmissenes Geld: Für Maxi immer wieder, er liebt selbstlos bis zum Ende. Ihr tut mir leid, denn so etwas werdet ihr nie erleben, da ihr ( Gott sei Dank) kein Tier habt und hoffentlich nie haben werdet, denn euch ist Geld mehr wert als ein Wesen aus Fleisch und Blut.

Autor: Familie Wolfgang Witt
Witt-IZ@versanet.de

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