Leons Fressorgie

„Moin, Moin. Da bin ich wieder, Euer Leon. Ich hatte ja versprochen, Euch von Zeit zu Zeit meine Erlebnisse zu erzählen. Also, fangen wir gleich damit an:

Neulich war ich mit meinem DF auf einer kleinen Wanderung im Schwarzwald. Was gab es da nicht alles zu schnuppern, zu buddeln und sich auszutoben! Ich streifte oder besser „wühlte“ mich förmlich durch dichtestes Unterholz. Ach Gott, sah mein schönes Fell aus! Ich war so richtig in meinem Element. Auf einmal kam uns eine Gruppe Wanderer entgegen. Ein verführerischer Duft von Fleisch und Wurst umgab sie. Offensichtlich hatten sie gerade ihr Picknick beendet.

Da hatte ich auch schon den Platz geortet: eine Schutzhütte mit Grillplatz. Sofort stürzte ich darauf zu. DF konnte noch soviel rufen und pfeifen: da gab es doch was zu futtern! Ich fand einen Abfallkorb. Den warf ich einfach um; denn daraus duftete es nach warmem Fleisch. Da – ein Papierpaket war aufgesprungen und dicke, fette Bauchspeckscheiben luden mich zum Fressen ein.

Gierig schlang ich sie runter wie nichts. Das müssen so fünf oder sechs gewesen sein; ich hatte kaum Zeit, um Luft zu holen. Als DF schließlich herankam, leckte ich noch schnell ein paar Reste und erwartete dann die übliche Gardinen- predigt. Oh Gott, war sie sauer!!!

Auf dem Rückweg sprach sie kein Wort mit mir. Das war auch gar nicht nötig – ich musste nämlich immer wieder meinen prallen Bauch bewundern! Genießerisch leckte ich noch meine Lefzen sauber. Zuhause trank ich beinahe meine ganzen Wassernapf leer; ich hatte fürchterlichen Durst. Dann rollte ich mich in meine Ecke zusammen und „schmeckte“ nochmals in Gedanken das eroberte Fressen.

Mitten in der Nacht werde ich wach: mir ist so komisch zumute – mal kalt, mal heiß – und der Magen wölbt sich so seltsam, es rumpelt und pumpelt. Bitterer Speichel tropft mir aus der Schnauze; ich fühle mich so entsetzlich allein, so schlecht. Schwerfällig schleiche ich zur Schlafzimmertür und kratze vorsichtig mit der Pfote daran. DF weiß, das ist ein Alarmzeichen! Sonst ist sie sofort bei mir, um mich zu trösten. Jetzt höre ich aber nur ihre wütende Stimme: „Hau ab, du Vielfrass! Raus in den Garten!“

Ich ziehe mich beleidigt zurück, trotte durch die Küche – die Terrassentür ist immer offen – in den Garten. Ah, die frische Luft tut gut! Kaum habe ich ein paar Mal kräftig tief eingeatmet, als in einem gewaltigen Stoß die Bauchspeckscheiben förmlich hinausfliegen; und noch einmal – und noch; oh, Gott, ist mir schlecht!

Ich friere fürchterlich und wanke – am ganzen Körper zitternd – ins Haus zurück. Dort rolle ich mich zusammen und schließe erschöpft die Augen.

Morgens kommt DF in die Küche und beachtet mich zunächst gar nicht. Das tut weh! Und dabei schaue ich sie doch mit reuigen, traurigen Augen erwartungsvoll an. Ich fixiere sie, verfolge jeden ihrer Schritte und Handlungen; mein Schwanz trommelt einen Generalmarsch auf den Boden. Sie nimmt mich überhaupt nicht wahr!!

Als sie dann am Kaffeetisch sitzt, gehe ich behutsam an sie heran und schiebe meine Schnauze wie schutzsuchend unter ihre Hand. Da kann sie nicht mehr an sich halten, lachend umhalst sie mich, streichelt meinen Rücken – und schon sind wir wieder die besten Freunde; draußen im Garten toben wir herum.

Tja, das war neulich; aber neulicher ist mir noch so ein Ding passiert. Wir wanderten den Mehliskopf hoch.Oben ließ sich von der Leine: haha – ab ging die Post. Auf einmal rieche ich doch wieder was Fressbares! Seltsam, das war ganz mit Steinen zugedeckt. Aber ein Golden Retriever kennt kein Hindernis. Mit kräftigen Pfoten räume ich die Steine beiseite – und, da liegen doch tatsächlich Nudeln. Spaghetti, so wie ich sie mag: „al dente“. Happ, happ, zwei gewaltige Bisse. DF rief und pfiff unterdessen, so dass ich diesmal sofort gehorchte.

Als ich herankam, hingen noch ein paar Nudeln seitlich aus meinem Maul. Frauchen meinte, dass seien Maden oder weiße Würmer. Sofort leinte sie mich an, schimpfte fürchterlich und dann ging’s abwärts.

Als wir fast unten waren – ihre Freundin führte mich – glaubte sie, dass die Gefahr vorbei sei und löste mich von der Leine. Da hatte sie aber die Rechnung ohne mich gemacht, nicht an meine Beharrlichkeit und Fresssucht gedacht: kehrt marsch und dann hetzte ich den Hang wieder hinauf. Die beiden hinterher – aber auf vier Beinen ist man eben doch schneller als auf zwei mal zweien. Als sie mich dann oben, vollkommen außer Atem, gefunden hatten, war der vergrabene Spaghetti-Schatz verschwunden. Dreimal dürft Ihr raten, wohin wohl.

Natürlich gab`s wieder ein Donnerwetter. Na ja, zuhören musste ich ja wohl; aber dabei schleckte meine Zunge nochmals genießerisch das Maul ab.

Diesmal brauchte ich aber nicht….. na, Ihr wisst schon: „würg, würg …und so“.

Bis dann,

Euer Leon

Autor: Friedhelm Markmann

markmannfried@web.de
     
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