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Leon auf der Alb

Also, Leute, ich habe ein paar Tage Urlaub verlebt, Ihr glaubt es nicht.

Samstagmorgens, 6 Uhr, wurde es mir zu langweilig und ich ging ins Schlafzimmer, um die beiden Langschläfer zu wecken. Während DF mein „early morning food“ zubereitete, drehten DH und ich meine „Entwässerungsrunde“. Trotz eines gezeigten Gleichmutes wählten wir den Weg so, dass wir ziemlich rasch wieder daheim waren.

Nach dem Frühstück fingen die beiden an zu packen: sie wollten mit mir für eine Woche ihren Sohn Frank, den ich schon mal früher kennen gelernt hatte, in Walbertsweiler – ganz hinten auf der Alb, bei Sigmaringen – besuchen. Ich hatte ja keine Ahnung wie es da aussehen würde; OK, eine gewisse Vorstellung von „Freiheit“ hatte ich schon, aber als wir dort ankamen, wurden meine Augen so groß wie Wagenräder: eine riesige Rasenfläche, Bäume, Sträucher, Büsche, Hecken und ein tolles Haus; alles sauber eingezäunt. Was konnte ich hier alles anstellen!!

Zuerst musste ich natürlich mein Revier kennen lernen. Der Gang – besser, der Lauf – um mein „Revier“ lies mich schnell alles andere vergessen. Schnüffel. schnüffel… alles neue Düfte, Gerüche, Spuren – so wie damals in Chamonix. Die erste Inspektion verlief zufriedenstellend; im Haus unten Steinzeugfliesen. Gott sei Dank lagen fast überall dicke Teppiche; dann ging’s nach oben eine offene Holztreppe hinauf; die Stufen waren mit Teppichstufen verkleidet; oben glatter Parkettboden. Schnell laufen war da nicht drin. Glücklicherweise befand sich vor dem Bett von DF und DH auch ein Teppich.

Mich interessierten nur drei Räume: das Wohnzimmer, das S c h l a f zimmer und die Küche; musste ich doch hier auf einen „absolut sauberen Fußboden“ achten und alles gleich vertilgen, was an Fressbarem so runterfiel. Mein Futternapf und die Wasserschüssel dagegen befanden sich im Flur. Vom Wohnzimmer aus konnte ich direkt durch die geöffnete Terrassentür in den Garten.

Ach war das herrlich, abends auf dem Teppich zu liegen, gestreichelt zu werden und den sich immer weiter ent- fernenden Stimmen zu lauschen bis der tiefe Schlaf mich übermannte. Wirklichkeit und Traum verwoben sich ineinander. Ich erlebte dabei so manches aufregende, wilde Abenteuer, was sich durch zuckende Läufe, Knurren und unterdrücktes Bellen manifestierte.

Auf der Alb wird es nachts jetzt schon recht kalt. Morgens hatte sich fast überall eine dicke Raureifschicht gebildet; dazu blies ein mehr als frischer Ostwind. Der erste Spaziergang führte uns über Wiesen und Felder. Ich tat so, als wenn ich hier zuhause wäre; an Kuhweiden vorbei – mit den schrecklichen Elektrozäunen – und Wühlmäuse gab es hier. Ich merkte: da kam Arbeit auf mich zu.

Als wir ins Dorf zurückkamen, hab ich noch rasch ein paar Katzen und Hühner erschreckt. Dann waren wir wieder daheim. Das Tor hatte ich mir eingeprägt. DH löste die Leine und dann schoss ich auf die Wiese.

Plötzlich segelte eine Frisbee-Scheibe wie ein UFO durch die Luft: ich hinterher und geschnappt, zurückgebracht und auf neuen Wurf gewartet. Ach, was konnte ich hier herumtollen und jagen! Absolutes Toben war angesagt; auch um meinen Spezial-Hantel-Ball musste ich kämpfen. Da konnte ich ziehen und zerren!

Von Herz- und Hüftproblemen habe ich nichts gespürt – im Gegenteil – ich fühlte mich „so kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen“.

DH`s Wagen stand vor der Garage. Wenn die Heckklappe geöffnet war, konnte ich da hinein. Windgeschützt und sonnenbestrahlt, so döste ich angenehm wie in einer Höhle; ein richtiger Pascha. Ein paar Kinder aus der Nachbarschaft kamen auch herbei – sicherlich nur, um mich zu bewundern! Gnädig ließ ich streicheln und kraulen. Sobald aber jemand aus meinem Rudel auftauchte, war das gemütliche Leben vorbei: die Frisbees warteten.

Doch das angenehme Faulenzer-Leben dauert nicht ewig. Das merkte ich am nächsten Morgen. Es hieß „abgeschnittene Äste und Zweige heranschleppen“ zum Zerkleinern und Mullchen. Ich zerrte und zog an dem großen Haufen abgesägter Äste. Es geschah jedoch sehr oft, dass Frank und ich nicht immer einer Meinung waren: ich schleppte sie häufig (unter uns: fast immer!) in die falsche Richtung; außerdem packte ich sie nicht in der Mitte, sondern da, wo es einigermaßen glatt war.

Wenn er dann herankam, um mich zu korrigieren, hub sofort ein Kampf um den Ast an.

Ich lass mir doch nicht so einfach meine Beute wegnehmen! Knurrend und hechelnd zog jeder in eine andere Richtung.Ich weiß nicht mehr, über wie viel Runden der Kampf ging – aber gewonnen hab` ich ihn!

Unsere Spazierwege benannten wir selbstverständlich auch: so gab`s den „Sportplatz-Weg, die Kuhtour, den Wühl- mausplatz, usw, usw. Beim Wühlmausplatz hätte ich mich einmal fast eingebuddelt. Mann – oh – Mann, Ihr hättet mal meine Pfoten oder den gesamten „Unterboden“ sehen sollen!

Na ja, Wasseranschluss mit Schlauch war vorhanden; auch ein „Fußwaschbecken“.

Einmal hatte DF Pril ins Wasser getan. Igitt, igitt haben die Pfoten seltsam geschmeckt, als ich sie nach dem Abtrocknen nochmals abschleckte. Da munden oder „maulen“ mir die vorhandenen Leckerlies schon weitaus besser.

Auf der anderen Straßenseite wohnte ein schon 15 jähriger Collie; er wirkte ungemein blasiert und hochnäsig. Ich wollte ihn in meiner burschikosen Art gleich begrüßen; doch er blieb vornehm zurückhaltend. DH meinte, wir wären so wie „Graf Yoster und sein Chauffeur Johann“ aus der bekannten Fernseh-Serie.

Auch die schönsten Tage gehen mal zu Ende. Als wir dann zurückfuhren, war ich doch ein bisschen traurig; aber in der Erinnerung bleibt alles so wie es war. Und wenn es mal wieder ganz grau und trist ist, denk ich eben an die schönen Zeiten zurück.

Als ich aber wieder die Pfinz auftauchen sah, die Waldshuterstraße – herbstlich gefärbt – und dann die Lörracherstraße, da fühlte ich mich doch wieder mehr zuhause.

 

Nach dem Aussteigen von der mehr als dreistündigen Fahrt, ging`s erst mal auf die Wiese „Knochen lockern“;unterwegs haben wir auch so alle 50 bis 60 Minuten angehalten und kleine Spaziergänge unternommen; aber langweilig ist`s allemal.

Schon deshalb, weil hinten im Wagen keiner bei mir ist. Gut, ich kann sie sehen, sie sprechen auch mit mir, …aber es fehlt halt der direkte Kontakt. Besonders gut schlafe ich nämlich ein, wenn man mir ganz sanft den Rücken krault.

Und das tut im Augenblick – gähn – gähn – mein DF. DH hat wieder am Computer zu tun. Er muss ja meine Erlebnisse zu Papier bringen, damit ich

Leon vom Heiligenberg

der Nachwelt als „toller Hund“ erhalten bleibe.

Autor: Friedhelm Markmann

markmannfried@web.de

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