Dolly – Teil 7: Das geeignete Behältnis

Hallo Dackelfreunde,
am liebsten laufe ich ja auf meinen eigenen vier Pfoten, aber ab und zu sind die schönen SCHNÜFFELGEGENDEN, in die mich meine Eltern führen, nur mit Bus oder Bahn zu erreichen. Das ist nun gar nicht so einfach, wie man als Hund denkt. Prinzipiell muss für einen Hund oder ein anderes Tier (ein Pferd?) ein Fahrausweis „Netz für Kinder“ gelöst werden, und dabei handelt es sich nicht nur um ein paar Groschen. „Ausgenommen von der Beförderungsentgeltpflicht (Was für ein herrliches Behördenwort! Da wedelt mein Schwänzchen vor Begeisterung.) sind kleine Tiere und kleine Hunde (Ein Hund ist also kein Tier?!), die in ge-eigneten Behältnissen untergebracht sind und im Verkehrsmittel keinen eigenen Platz in Anspruch nehmen.“ Gut. Damit wäre erst einmal klar, das der fette, große Kater von nebenan, der in seiner Transportbox hockt, wie ein Götze, überhaupt nicht bezahlen muss. Aber so eine Transportart ist ja HUNDEUNWÜRDIG. Wir brauchen schließlich den Kontakt zu unseren Rudelführer. Am liebste sitze ich bei Herrchen auf dem Schoß und damit fangen die Probleme, die sich die Menschen gegenseitig bereiten, erst richtig an. Ich nehme KEINEN EIGENEN PLATZ in Anspruch a b e r bin nicht IN EINEM GEEIGNETEN BEHÄLTNIS. Potz Blitz und Wackeldackel!

So hat sich mein Vater bei den Verkehrsbetrieben erkundigt, ob unbedingt beide Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um nicht zu bezahlen; wie es ist, wenn man den Hund ohne Behältnis auf dem Schoß hat. Nach wochen-langen Beratungen konnten sich die Tarifexperten nicht einigen und ein Kundenberater sagte uns dann zu, dass man bei Hund auf Schoß ohne Behältnis EIGENTLICH nicht bezahlen muss. Da meine Eltern nun aber die hochkomplizierte Problematik nicht mit jedem Kontrolleur von Neuem diskutieren wollen, habe sie sich ent-schieden, mich in eine Tasche zu stecken und diese als GEEIGNETES BEHÄLTNIS zu deklarieren. Zum Glück bin ich mit sechs Kilogramm ein Leichtgewicht, so dass mich mein Vater noch bequem tragen kann. Auch kön-nen mich meine Eltern schnell einmal unter den Arm klemmen, wenn es nötig ist oder in der Tasche sogar längere Strecken tragen (dazu später). Es gibt allerdings in unserer Rasse auch Schwergewichte bis zu zwölf Kilo-gramm. Abgesehen von denen, deren Gewicht aus der Größe resultiert, können einen die meisten leid tun. So sehe ich häufig zwei Dackel, die so dick sind, dass die Bäuche fast auf der Erde schleifen. Dazu müssen die armen Kerls auch noch Treppen steigen, weil ihre Menschen sie nicht mehr tragen können. Da haben diese ein gewichtiges Problem, aber eins, dass sie selbst geschaffen haben. So etwas müsste bestraft werden, meine ich. Wir Hunde können nichts dafür. Wir fressen nun einmal, was in uns hineingeht; in Erwartung schlechter Zeiten. Aber die Menschen sollen ja angeblich Verstand besitzen, denn sie uns absprechen. Das Ergebnis: siehe oben. Ich halte eigentlich meine Figur. Wenn mich in der Woche mein Vater betreut, muss ich mich sowieso auf etwas Fasten einstellen; meine Mama ist da großzügiger. Manchmal streiten sich auch meine Eltern und werfen sich gegenseitig vor, mich vollzustopfen. Einmal hatte ich schon einen kleinen Ring um den Bauch, den musste ich dann wieder abtrainieren.

Zuerst wollten meine Menschen das Geld für eine spezielle Hundetasche sparen und stopften mich in eine alte Reisetasche. Aber das gefiel mir gar nicht und so machte ich kurzerhand einer großen Schlatz hinein und sie damit unbrauchbar. War sowieso ein altes Ding aus der Jugendzeit meines Vaters und mir nicht angemessen. Man muss sich seine Menschen nur erziehen.

So entschlossen sich meine Eltern nun doch, mir eine Hundetasche zu kaufen. Die ist außen aus abwaschbarem Material, innen mit schönem weichen (Kunst)-Fell, damit man es recht bequem hat. Wo der Kopf herausgucken soll, ist der Rand etwas niedriger. Das ist aber Geschmackssache. Ein Artgenosse aus unserer Dackelgruppe besteht darauf, immer verkehrtherum in seiner Tasche zu sitzen. Na ja, wenn es ihm Spaß macht. Zum Tragen muss die Tasche zwei kurze Henkel haben und zum Umhängen der leeren Tasche einen Schulteriemen, damit sie die Menschen bequem auf dem Rücken tragen können, wenn wir uns auf unseren vier Pfoten fortbewegen. Über dem Hunderücken kann die Tasche mit Klett- oder Reißverschluss geschlossen werden. Klett ist besser, wenn wir in der Tasche herumhampeln und nicht vorschriftsmäßig sitzen wollen.

Bei schlechtem Wetter, ist die Tasche auch insofern nützlich, dass ich mich dann z.B. zum Tierarzt tragen lassen kann, damit ich nicht ganz verdreckt dort ankomme. Wir Dackel haben nun einmal das Problem unserer großen Bodennähe und schaufeln uns mit unseren Vorderpfoten den Schlamm direkt an den Bauch.

Wenn man wo zu Besuch ist, lässt sich der Rand der Tasche umschlagen und man hat ein gemütliches Nest, was nach zu Hause riecht. Zum Abtreten der Pfoten kommt ein wuschliges Handtuch hinein und wenn es geregnet hat, muss einer uns an der Brust hochheben und der andere wischt Bauch und Pfoten mit Wegwerf-Küchentüchern ab. Mein Vater, als großer Hundeexperte, für den er sich hält, kann das aber auch allein.

Übrigens – für die warmen Tage, wenn es mir in der Tasche unbehaglich wird, habe ich ein sogenanntes Tragerl, eine in einer Stoffhülle mit Henkeln steckende Schaumgummiplatte, die mir unter dem Bauch durchgezogen wird. Beim Tragen hängen unten die Pfoten heraus und wenn ich meinen Unwillen ausdrücken will, rudere ich mit ihnen in der Luft. Dann wollen sich die Menschen immer vor Lachen ausschütten. Im Verkehrsmittel deklarieren meine Eltern das Tragerl als GEEIGNETES BEHÄLTNIS. Das Gegenteil soll erst einmal einer beweisen.

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Autor: Martin Eberhard Kamprad

info@kamprad.de

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