Dolly – Teil 6: Der Begleithund

Ich soll also Begleithund werden, sagen meine Eltern. Je nach den Nutzen, den wir Ihnen bringen, haben die Menschen ja schon viele Bezeichnungen für uns erfunden – von Arbeitshund bis Zuchthund. Nun hat es also mich getroffen.

Hier mein Bericht von der ersten Stunde bei der Begleithundeausbildung.
Ich merkte schon, dass etwas Besonderes vorging, weil Frauchen und Herrchen zu ungewöhnlicher Zeit ihre Vorbereitungen zum Dackelspaziergang trafen und auch aufgeregter als sonst waren.
Nachdem ich auf dem Hundeplatz die anderen begrüßt hatte, verlangte ich laut bellend, dass der Spaziergang nun endlich losgeht. „Action“ muss sein. Aber Pustekuchen. Die Menschen quatschten und quatschten. Mein Vater versuchte mir das Bellen zu verbieten; sogar mit Schnauzengriff und Unterwerfungswurf, aber ich ließ mich nicht unterkriegen.

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Auf einmal waren Frauchen und viele andere Hunde und Menschen weg. Wir waren nur noch elf Hunde mit ihren Menschen. Eine ältere Frau wollte uns begrüßen, es sollte eine Ausbilderin sein. Na mir war das egal. Im-mer wieder verlangte ich laut bellend den erwarteten Waldspaziergang. Herrchen wurde immer böser. So gab ich schließlich nach. Ganz will man es ja mit dem Rudelführer auch nicht verderben. Vielleicht braucht man ihn ’mal. Ich gab mir nun auch Mühe auf die Kommandos zu hören, die mir Herrchen sagte, denn er hatte ja schon einiges mit mir geübt. Die Menschen stellten sich im Kreis auf und wir Hunde sollten an ihrer linken Seite sitzen und uns nicht beschnuppern. Na ja, wenn es sein musste. Ich hatte ja schon alle beschnuppert. Was tut man nicht alles um des lieben Friedens willen. Der Mensch ist eben auch nur ein Hund. Dann sollten wir „Fuß“ im Kreis laufen. Natürlich weiß ich, was „Fuß“ ist, aber jedesmal, wenn wir am Ausgang vorbeikamen, erinnerte ich mich, dass ich eigentlich zum Dackelspaziergang im Wald hergekommen war und nicht, um hier dumm im Kreis herumzulaufen und ich versuchte auszubrechen. Ein scharfer Leinenruck brachte mich aber wieder „in die Spur“. Dann merkte ich, dass die anderen Hunde, die nicht solche Ambitionen hatten, von der Ausbilderin gelobt wur-den. Na, so ein Lob wollte ich mir auch verdienen. Schließlich kann ich „Fuß“ gehen; will nur nicht. Aber leider gibt es Lob und sogar Leckerchen nur, wenn sich das Können im Wollen zeigt. Eine raffinierte Sache. Aber ich wollte auch gelobt werden. So zeigte ich, dass ich natürlich „Fuß“ laufen kann und wurde prompt gelobt und bekam von Herrchen ein Leckerchen.

Zwischendurch mussten wir immer ’mal wieder „Sitz“ machen und interessiert gucken. Das ist nun auch wieder so eine Idee der Zweibeiner. Warum soll ich interessiert gucken, wenn nichts Interessantes da ist, ja wenn wenigstens eine Maus vorübergelaufen wäre. Die Ausbilderin war für mich auch nicht gerade das Interessanteste. Obwohl – vorsichtig musste ich schon sein. Sie hat so etwas an sich, dass man einfach gehorchen muss. Als ich als Welpe beim Dackelspaziergang mich beharrlich weigerte „Fuß“ zu gehen und lieber „stürmen“ wollte, war sie die einzige, die mich bändigen konnte. Werde also ’mal lieber gehorchen. Meine Kräfte kann ich dann eher bei Frauchen messen, da habe ich mehr Chancen.

Dann wurde ein anderer Hund vorbeigeführt und man durfte ihn nicht beachten. Na ja, wenn er mich sowieso nicht interessiert?

Und immer wieder im Kreis laufen; aufeinander zu laufen, umeinander herum laufen, aneinander vorbeilaufen, in Schlangenlinien um die anderen Dackel-Mensch-Gespanne laufen. Mann ist das langweilig. Deshalb bockte ich manchmal und setzte mich einfach hin. Aber wenn dann die anderen Hunde an uns vorbeiliefen, war es mir peinlich und ich stellte mich wieder auf meine Pfoten.

Jetzt kam das „Wenden“ d’ran. Oh, da muss man aber aufpassen, wenn Herrchen plötzlich kehrt macht, dass man ihm nicht zwischen die Beine gerät. Das Aufquieken von Artgenossen zeigte, das das schon passiert war und ihr Mensch sie getreten hatte. Zum Glück ist mein Vater da sehr vorsichtig. Da sitzt ihm auch immer Frau-chen im Nacken, dass meinem kleinen Körper ja nichts passiert.

Jetzt wollte sich die Ausbilderin an der „Komm“-Übung einen Überblick verschaffen, inwieweit wir schon gehorchen. Einer wurde davon ausgenommen. Naja, der war erst drei Tage bei seinem Herrchen und noch ganz durcheinander. Mir machte das keine Probleme. Schließlich ist das die Voraussetzung, dass meine Eltern mich so oft von der Leine lassen können. Eine Hündin wollte sich erst gar nicht von ihrem Frauchen entfernen, andere liefen kreuz und quer über’s Gelände und freuten sich, dass sie los waren. Als vernünftiger Hund konnte ich mir das nur mit erhobener rechter Vorderpfote (das Zeichen höchster Aufmerksamkeit) betrachten. Das Springen über ein Hindernis machte mir ebenfalls nichts aus. Einige Artgenossen kapierten das nicht und liefen außen herum und ein Kleiner, der erst ein halbes Jahr alt war wurde davon dispensiert.

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Nun kam der „Stern“ d’ran. Oh, da muss man schon die Hundenerven zusammen nehmen. Von allen Seiten kamen die Menschen bedrohlich auf einen zu und man musste ruhig neben seinem Frauchen oder Herrchen sitzenbleiben und durfte nicht bellen. Ich habe es geschafft, war aber auch froh, als es vorüber war. Dafür wurde ich auch ausgiebig gelobt und bekam ein Leckerchen.

Zum Schluss ging es kurz in den Wald. Wir sollten versuchen auch bei den Ablenkungen des Waldes „Fuß“ zu gehen. Das war nun noch schwieriger. Auch ich hatte meine Probleme damit.

Zum Glück ging es bald auf den Hundeplatz zurück und auf einmal waren auch Frauchen und die anderen Hunde und Menschen erneut da. Nun war die Welt wieder in Ordnung.

Autor: Martin Eberhard Kamprad
info@kamprad.de
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