Dolly – Teil 10: Dackelwanderung

Hallo Freunde,
heute will ich euch meine Erlebnisse auf der Dackelwanderung erzählen, die der Verein für uns (oder für die Menschen?) durchführte.

Aufregend war schon die Suche nach dem in der Einladung angegebenen Treffpunkt, weil sich inzwischen so-wohl die Linienführung der Straßenbahn als auch der Straßennamen geändert hatten. Aber meine Eltern kannten zum Glück die Gegend, weil sie schon vor meiner Zeit oft dort gewandert waren. Andere Artgenossen hatten mit ihren Menschen nicht solches Glück. Zwei kamen auf der anderen Seite des Sees an und ihre Menschen hatten nicht bedacht, dass zwischen einem Dorfteich, wo man schnell auf die andere Seite gehen kann und einem See aus einem ehemaligen Tagebau mit 14 Kilometern Umfang ein Unterschied ist. Menschen und Hunde stießen erschöpft erst am Ende der Wanderung zu uns und mussten dann von einem Dackelfreund mit dem Auto zu ihrem Auto, dass auf einem Parkplatz auf der anderen Seite des See stand, zurückgefahren werden.

Doch zurück zum Anfang. Lautes Gebell kündigte uns an, dass offensichtlich hinter der nächsten Wegbiegung der Treffpunkt lag und so war es dann auch.

Rund 30 Menschen und etwa 20 Dackel waren gekommen. Während bei den Hunden die Geschlechter in etwa gleich verteilt waren, war bei den Menschen der weibliche Teil eindeutig in der Überzahl. Wir sind nun einmal etwas für zarte Frauenhände; wenn man von der geringen Zahl der jagdlich geführten Teckel einmal absieht.

Vor Beginn stärkten sich die Menschen mit einem Schluck „Jägermeister“. Wir Hunde haben solcherart Aufmunterung zum Glück nicht nötig und waren froh, als es endlich losging;
zuerst durch einen alten Gutspark. Da gab es viel Interessantes zu schnuppern, was man von dem weiteren Weg durch das ehemalige Braunkohlengelände nicht sagen konnte. Frisch geschotterte Wege sind nicht nur ein Graus für die Fahrradbereifungen, sondern vor allem für unsere Pfoten. (Wieder zuhause musste mich meine Mama gleich mit Pfotenbalsam behandeln.) Endlich waren wir am See. Einige von uns stellten gleich ihre Wasserfreude unter Beweis, als ob Begleithundeprüfung wäre; schwammen und holten begeistert Stöckchen aus dem Wasser. Ich kann dem Schwimmen kein besonderes Vergnügen abgewinnen. Höchstens wate ich einmal bis zum Bauch im flachen Wasser, um mich bei Hitze abzukühlen.

Hauptziel der Wanderung war ein hölzerner Aussichtsturm. Das war nun wieder etwas nur für die Menschen. An uns Hunde hatte niemand gedacht. Was sollen Hunde im allgemeinen und Dackel mit ihren kurzen Pfoten im besonderen mit einem Aussichtsturm anfangen. Man ist ja viel zu weit von der Erde weg, um etwas Vernünftiges zu riechen und als wir Hunde auf dem Plateau, worauf der Aussichtsturm stand, herumtollen wollten, musste es gleich wieder weitergehen, weil dass Essen wartete; für die Menschen natürlich.

Im engen Hof der Gastwirtschaft fanden mit Mühe alle Menschen Platz; aber kein Platz, an dem wir Dackel es uns gemütlich machen konnten. Die meisten von uns mussten unter dem Tisch sitzen und aufpassen, dass sie nicht getreten wurden.

Na, zum Glück bin ich etwas Besonderes und gewohnt, auf dem Schoß meines Vaters am Tisch zu sitzen. Während des langen Wartens auf das Essen vertrieben sich die Menschen die Zeit mit sogenannten Dackelgesprächen; also über uns ’rumklatschen, als ob sie wüssten, wie es in uns aussieht. Da mir das Ganze zu langweilig war und ich sehr unruhig wurde, hatten meine Eltern aber dazu keine Gelegenheit, da sie sich mit mir beschäftigen mussten. Da haben sie wenigstens etwas Sinnvolles getan. Als endlich das Essen kam, verlangte ich gewohnterweise meine Kostehäppchen und erregte Erstaunen oder Entsetzen, weil ich die mir von meinem Vater gebotenen Happen manierlich von der Gabel essen konnte.

Alles in allem, wahrscheinlich für die Menschen, ein gelungener Tag. Uns Hunde hat niemand um unsere Meinung gefragt. Ich war froh, als ich wieder zu Hause war und meine gewohnte Ordnung hatte.

© by 2001 by Martin Eberhard Kamprad

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Autor: Martin Eberhard Kamprad

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