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Wir spüren deine Angst

Elisabeth „Sissi“ Kern, Obfrau der Felix Tierhilfe Gerasdorf e.V. in Seyring/Österreich versorgt seit einigen Jahren ausgesetzte, nicht mehr gewollte, mißhandelte oder herrenlose Tiere. Derzeit leben bei ihr mehr als 200 Tiere, überwiegend Katzen. Der Verein erhält keine finanzielle Unterstützung von Behörden oder sonstigen offiziellen Stellen und ist auf private Spenden angewiesen.

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Wir liegen bei Dir, fühlen uns wohl. Geborgenheit spüren wir. Die Tür geht auf, unser Frauerl kommt auf uns zu. Aber anstatt daß sie wie immer Futter herstellt, packt sie uns in einen Korb. Uns macht das nichts, aber Du., Du bist so komisch.

Wir spüren Deine Angst. Warum hast du Angst? Suchend tasten wir uns an Deine Zitzen. Wie herrlich geborgen fühlen wir uns dabei. Plötzlich ein Ruck. Die Hand die Dich immer gefüttert hat, stieß Dich aus dem Auto. Wir beide fallen neben Dir auf den Boden. Du bist verstört, überträgst auch Deine Angst auf uns. Was machst Du? Wo läufst Du hin? Mami, bitte bleib da. Wir können Dir doch nicht folgen. Mama!!!

Ein schrecklicher Lärm, quitschen von Autoreifen. Du liegst auf der Straße. Mama, bitte steh auf. Bitte wach endlich auf. Warum rührst Du Dich nicht? Mama, wir brauchen Dich. Uns ist so kalt. Bitte komm zu uns. Unsere kleinen Füße bemühen sich zu Dir zu gelangen. Wir kuscheln uns an Dich. Warum schnurrst Du nicht? Warum putzt Du uns nicht? Wenigstens können wir unseren Hunger an Deinen Zitzen stillen.

Wieder ein Quitschen. Zwei Leute laufen zu uns her. Eine Frau nimmt mich hoch und auch meine Schwester. Die andere nimmt Dich auf den Arm. Behutsam legen sie Dich auf den Rücksitz. Die andere Frau wärmt uns einstweilen auf ihrem Schoß. Wir werden in ein Zimmer gebracht. Wir sind dort ganz alleine.

Wieder bei einer anderen Frau. Die Frau füttert uns mit einem Fläschchen. Die Zitzen von der Mami waren uns viel lieber. Übrigens, wo ist unsere Mami? Warum ist sie nicht bei uns. Die Frau bettet uns in ein warmes “Nesterl“. Wir spüren, daß in diesem Hause noch viele andere Katzen sind. Ist da unsere Mami dabei?

Einige Tage sind nun vergangen und wir versuchen erstmals selber zu fressen. Oh Mami, Du wärst so stolz auf uns. Schade, daß Du das nicht sehen kannst. Wir halten inne, hören vertraute Stimmen. Die beiden Frauen, die uns hergebracht haben sind zu Besuch. Die Türe geht auf. Sissi legt etwas in Decken gehülltes behutsam auf den Boden. Sie öffnet die Decke leicht und … Nein, das gibt’s doch nicht. Mami, Du?

Wir wollten sofort wieder zu Deinen herrlichen Zitzen, aber Sissi hielt uns zurück. Sie sagte, daß wir vorsichtig sein müssen, weil Du eine schwere Operation hinter Dir hast und es ein Wunder ist, daß Du noch lebst. Du warst aber so glücklich uns wieder zu sehen, daß Du die Schmerzen vergessen hast und auf uns zugekommen bist und uns abgeschleckt hast. Vor lauter Freude kamst nicht mal dazu Angst zu haben in der neuen Umgebung. Du hast Dich hier von Anfang an geborgen gefühlt. Und wir erst. Zum kuscheligen Plätzchen und den herrlich gefüllten Futternapf bist nun auch Du wieder in unserem kleinen Katzenleben.

Ein Dankeschön an das Schicksal und an die beiden Frauen, die uns gerettet und uns an diesen Ort der Liebe gebracht haben. Ein Jahr durften wir zusammen glücklich leben, dann wurde meine Schwester krank, sehr krank und starb. Kurz darauf erblindete ich aufgrund der selben Krankheit und starb ebenfalls. Mami, wir beide sind nun Deine Schutzengel und geben auf Dich acht. Wir sehen, daß Du Dich gut entwickelt hast, bei bester Gesundheit bist, auch wenn Du zahnlos bist. Mami- oder Lilly wir denken viel an Dich und hoffen, daß Du noch lange bei der Sissi bleiben darfst. Vor allen Dingen wünschen wir Dir einen Paten, daß Du dieses Haus der Liebe niemals verlassen wirst müssen. Wir wissen, daß Sissi um Dich und alle anderen Tiere im Hause kämpft und auch, daß sie es nur mit Tierfreunden schaffen kann. Zum Glück gibt es nicht nur solche Leute wie Deine Vorbesitzer an die, wenn überhaupt, Du nur mit Schaudern denkst. Wenn Du Dich in der Nacht an die Sissi kuschelst und Deine zahnlosen Liebesbisse in ihre Nase gibst, wissen wir, daß ihr es gemeinsam schaffen werdet.

Mami? Sissi? Kumpels. Wir sind bei Euch so wie wir wissen, daß wir in Euren Herzen noch leben.

Autor: Sissi Kern
assissi@utanet.at
http://www. tierhilfe-gerasdorf.at.tt

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