«

»

edithtg

Beitrag drucken

Puschels Geschichte

Elisabeth „Sissi“ Kern, Obfrau der Felix Tierhilfe Gerasdorf e.V. in Seyring/Österreich versorgt seit einigen Jahren ausgesetzte, nicht mehr gewollte, mißhandelte oder herrenlose Tiere. Derzeit leben bei ihr mehr als 200 Tiere, überwiegend Katzen. Der Verein erhält keine finanzielle Unterstützung von Behörden oder sonstigen offiziellen Stellen und ist auf private Spenden angewiesen.

Hallo und Miau, liebe Freunde!

Wie versprochen möchte ich heute die Geschichte eines der vielen Leidensgenossen erzählen, die von Sissi gerettet wurden.

puschel.jpg

„Puschel!“—„Puschel!!“— „PUSCHEL!!! Wach auf!“
„…will nicht… schlafen lassen…“
„Nein, Puschl, wach auf!!“
„Uuaaaah, Felix, warum lässt du mich nicht in Ruhe schlafen?“
„Entschuldige, du kannst dich gleich wieder deinem Schönheitsschlaf widmen, aber zuvor brauche ich deine Hilfe.“
„Was? Wobei soll ich dir denn helfen?

Willst du wieder die Süße ärgern?“
„Aber nein. Wir müssen der Sissi helfen. Sie kriegt ihr Vereinsheft nicht rechtzeitig fertig.“
„Also eh so wie immer. Und was sollen wir dabei?“
„Ich soll dich interviewen!“
„WAS?“
„Ja, ist so eine Idee von ihr. Sie meint, ich soll ein Interview mit dir machen, darüber wie du hierher gekommen bist und wie’s dir jetzt geht und so.“
„Und du gibst sozusagen den Reporter.“
„Genau. Und die Sissi braucht es dann nur noch in ihr Vereinsheft schreiben.“
„Genial.“
„Ja, genial-typisch Sissi. Aber sie will es so. Bist du bereit?“
„Werden auch Fotos gemacht? Ich bin ja gar nicht geputzt!! Ich muss furchtbar aussehen…!!“
„Die Fotos macht Sissi später. Jetzt lass dich endlich interviewen!“

„Also, Frl. Puschel, wie lange sind Sie schon hier?“
„Geh Felix, müssen wir jetzt echt per Sie sein???“
„Klar, sonst wirkt es doch nicht professionell. Also, wie lange residieren Sie hier, Frl. Puschel?“
„So ganz genau weiß ich das nicht. Aber es ist schon einige Male kalt und warm geworden.“
„Aha. Also vermutlich mehrere Jahre. Und weshalb sind sie überhaupt hergekommen?“
„Ich habe mein früheres Zuhause verloren.“
„Wieso das denn?“
„Mein Besitzer wollte mich nicht mehr.“
„Gemeinheit! Und warum wollte er Sie nicht mehr?“
„Nun ja, es ist mir ein bisschen peinlich … “
„Keine Scheu, wir sind ja ganz unter uns.“
„Aber die Leser, Felix, denk an die Leser!“
„Egal, weiter! Warum wollte dich, äh Sie, Ihr Besitzer nicht mehr?“
„Ich habe neben das Kisterl gemacht.“
„Wie bitte, ich verstehe dich nicht.“
„Ich habe versehentlich neben das Kisterl gemacht.“
„Und dann?“
„Er war furchtbar wütend und hat herumgebrüllt, und vor lauter Angst habe ich, naja… und dann hat er mich ins Freie befördert.“
„Hast du mir nicht einmal erzählt, ihr habt im zweiten Stock gewohnt?“
„Ja, stimmt. Ich bin halt aus dem Fenster geflogen.“
„Was??? Er hat dich aus dem Fenster geworfen?“
„Ja. Später hat mich das Frauerl gesucht und wieder hereingeholt, und vor lauter Angst, dass mir der Mann wieder wehtut, habe ich mich unter dem Kasterl versteckt und bin nicht mehr hervorgekommen. Dann kam die Sissi, aber ich bin unter dem Kasterl geblieben.“
„Und wie ist es weitergegangen?“
„Irgendwann habe ich Hunger bekommen und bin hervorgekrochen. Dann hat mich Sissi mitgenommen und hierher gebracht.“

sissi3.jpg

„Und wie hat es Ihnen hier gefallen?“
„Anfangs überhaupt nicht! Die vielen Katzen! Alle haben mich angestarrt! Da bin ich eben wieder unter ein Kasterl.“
„Hatten Sie nicht auch Probleme mit Ihrem Haarkleid?“
„Ja, Sissi musste mich scheren lassen, weil mein Fell total verfilzt war.“
„Dabei haben Sie ein so hübsches Fell, meine Liebe! Diese Tigerstreifen…“
„Danke (schnurr). Sissi kämmt mich ja regelmäßig. Nach dem Scheren durfte ich in einem kleinen Zimmer wohnen, da wurde ich dann auch zutraulicher. Aber sobald ich zu den anderen zurück musste, zog ich wieder unter mein Kasterl.“
„Ich kann mich erinnern. Sie haben lange Zeit direkt neben der Eingangstür gelebt. Jederzeit bereit zur Flucht. Und wie ist es jetzt?“
„Viel besser. Ich habe mich an den Rummel hier gewöhnt. Und wenn es mir manchmal zuviel wird, ziehe ich mich eben für ein Weilchen unter mein Kasterl zurück.“
„Aber im Großen und Ganzen fühlen Sie sich wohl.“
„Ja, auf jeden Fall! Ich bin sehr froh, dass ich hier bin. Aber jetzt ist es genug! Jetzt will ich wieder schlafen!“
„Danke für deine Geduld, Puschel! Schlaf schön! Hoffentlich kann die Sissi meine Schrift lesen.“
„Ja… uuuaaahhhhhh…. wenn irgendwas nicht stimmt, ist sie schuld…“

Autor: Sissi Kern
assissi@utanet.at
http://www. tierhilfe-gerasdorf.at.tt

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.tiergeschichten.de/2006/10/31/puschels-geschichte/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.