Nanu, was war denn das da für ein Kugelblitz? Wieselflink verschwand etwas Weiß-Schwarzes auf dem verwilderten Nachbargrundstück in den Sträuchern.
Das war die allererste Begegnung mit dem „wilden“ Tom. Zunächst kein Grund zur Sorge – vielleicht hatte in der Nachbarschaft jemand eine neue Katze, die vorsichtig ihr neues Umfeld erkundete. Die Hoffnung war allerdings schnell dahin, als sich die Samtpfote auch nach Tagen, bei Wind und Wetter, immer noch in der benachbarten Wildnis aufhielt. Dann „erwischte“ ich sie im strömenden Regen „auf frischer Tat“ an den Igelnäpfen. DAS Rätsel war also auch gelöst: Wir hatten nicht urplötzlich eine heißhungrige Igel-Invasion, sondern TOM (damals noch „geschlechts“- und namenlos) holte sich klammheimlich das Igelfutter …. war demnach unversorgt und sehr hungrig.
Rasch wurde an einer ruhigen und wettergeschützten Stelle ein Futter- und Schlafplatz eingerichtet. Aber erst spät am Abend und in der Nacht traute sich die Katze dort hin und nahm beides gerne an. Wochen später sah ich sie hin und wieder auch über Tag ….. jedoch immer fluchtbereit, denn schon bei menschlichen Stimmen entschwand sie panikartig in die Sicherheit der Nachbarwildnis.
Dass es ein Katerchen war, konnten wir erst viel später feststellen. Die Angst vor uns Menschen war riesengroß, und Woche für Woche blieb die Lage unverändert. Sei´s drum. Offenbar war es eine draußen geborene verwilderte Katze, die keine menschliche Nähe kannte oder wollte. Sollte sie halt nach ihren Vorstellungen bei uns so mitlaufen. Irgendwann würden wir sie einfangen müssen (oh Graus !!!) für eine eventuelle Kastration sowie Impfung und Gesundheits-Check. Aber vorerst war die regelmäßige Versorgung das Wichtigste.
Es gab im Garten keine Kämpfe mit den beiden hauseigenen Katzen, demnach war sie kein Raufbold. Unser kleines Hundemädchen mußte ich halt ein bißchen mehr im Auge behalten, damit sie die fremde Katze nicht jagte – was dann leider doch passierte und TOM noch vorsichtiger machte. Sehr lieb und tolerant mit allem, was zum Haushalt gehört, ist unsere TRIXI – Dank des Terrier-Anteils – leider manchmal eine kleine Jägerin bei fremden Tieren, die nicht zur häuslichen Gemeinschaft gehören.
Fünf Monate vergingen, die Näpfe wurden stets bis auf den letzten Krümel geleert, und die weißbehaarte Mulde im Schlafplatz zeugte davon, daß unser „Zuläufer“ ihn regelmäßig aufsuchte. Inzwischen war es Ende November und das Wetter wurde ausgesprochen unfreundlich und kalt. Eine weitere Sorge: Wie sollte die Katze draußen den nahenden Winter bei Minustemperaturen heil überstehen? Ein zweiter warm gepolsteter Schlafplatz wurde eingerichtet, aber ob das ausreichte? Außerdem würde das Futter bei unter Null im Nu gefrieren, denn es wurde erst geholt, wenn die Luft rein – sprich: kein Zweibeiner in Menschengestalt im weiten Umfeld sichtbar war.
Völlig unerwartet passierte dann das Unvorstellbare: Bei der Futterverteilung flüchtete TOM nicht mehr wie bisher, ging lediglich auf ein paar Meter Distanz und maunzte kläglich. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Zwei Tage später kam er bis zur offenen Küchentüre, wieder zwei Tage später bis in die Küche. Vorsichtige Streichelversuche beantwortete er mit zarten Bissen in die Hand, so nach dem Motto: `Jetzt werd´ mal nicht zu übermütig, ich traue dir noch nicht und das Tempo bestimme ich!` Aber lange konnte er der Streichelhand nicht wiederstehen. Ganz offensichtlich genoß er das Kraulen sehr, blieb jedoch äußerst wachsam und vorsichtig.
In Kürze entdeckte TOM die gemütliche Decke auf der Küchenbank gleich an der Heizung und hielt sich dort immer häufiger auf. Das war ja nun weit mehr, als wir je erwartet hätten! Aber einen Haken hatte die Sache: die Türe nach draußen mußte als Fluchtweg offen bleiben, sonst geriet er in Panik. Bei den zu der Zeit herrschenden Minustemperaturen war unsere Küche im Nu eine Kühlkammer. In ganz, ganz kleinen Schritten, mit immer wieder Öffnen und Schließen der Außentüre, verlor TOM nach vielen Tagen allmählich die Angst vor geschlossenen Räumen. Er merkte, daß ihm keine Gefahr drohte und er jederzeit wieder nach draußen in seine Freiheit konnte. Die erste Übernachtung auf der warmen Küchenbank war dann allerdings für uns alle die absolute Premiere.
Zwei Monate später war aus dem „wilden“ TOM der totale Oberschmuser geworden. Die größte Wonne war und ist es seitdem, auf dem Arm herumgetragen zu werden – dicht gefolgt von “Stunden auf dem Schoß liegen” oder “an der Heizung ablungern”. Gegen alle Erwartung schloß er sich nun ganz schnell an unser kleines Hundemädchen an – eine Freundschaft auf Gegenseitigkeit, denn jetzt gehörte TOM schließlich zum Familien-Clan.
Etwas schwieriger war und ist es mit den hauseigenen Samtpfötchen. Den inzwischen recht selbstbewußten TOM konnten die „Alteingesessenen“ MERLIN und PAULINE nicht so recht einordnen und akzeptieren. Die erste Rauferei ließ nicht lange auf sich warten. Eine dicke Freundschaft wird es wohl nicht geben – aber mehr und mehr ein für alle Seiten akzeptables Arrangement, denn Platz genug ist für alle und man kann sich – mit etwas Gutwill – aus dem Weg gehen.
„Parken“ in der Weihnachtskrippe
Die erste Begegnung mit unserem TOM liegt jetzt 2 ½ Jahre zurück. Die längst erfolgte Kastration machte ihn immer häuslicher. Als er bei uns auftauchte, war er geschätzte 2-3 Jahre alt. Trotz aller Bemühungen haben wir nie herausbekommen, wo er herkommt und ob er irgendwo vermisst wird. Warum ist ein so menschenbezogener Kater so verängstigt bei uns gestrandet und hatte vorübergehend alles Vertrauen in uns Menschen verloren? Wir wissen es nicht und können nur vermuten.
TOM hat sich uns als neues Zuhause ausgesucht und dankt die Aufnahme mit unendlicher Zuneigung und „Präsenten“: Beute wird auf schnellstem Wege mit großem Gemaunze heim getragen und in der Küche abgelegt. Und ….. er ist eine ausgesprochene „Plaudertasche“. Man kann sich regerecht mit ihm unterhalten, wobei er immer das letzte „Wort“ behält …
Autor: Inge Stolz
inge@inge-stolz.de

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2 Kommentare
Geier Ursula
2. November 2009 von 04:10 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Hallo
ich finde die Geschichte sehr schön.Nur eines ist mir noch nicht klar, habt ihr auch eine kleine Zeitung, oder seid ihr nur online vertreten. Und wie muss ich mir einen Blog vorstellen, für eine Nachricht wäre ich dankbar, lieben Gruss
Urska
edithtg
2. November 2009 von 06:50 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Der Blog ist genau diese Seite. Und, nein, eine Zeitung haben wir nicht. Nicht mal ein Buch. Wir sind ein reines Online-Medium – aber mit recht brauchbaren Kontakten zur Presse.