Balus Tagebuch

Montag, 31.10.2005: Halloween: Der Tag des Grauens! Und tatsächlich war es für mich der bisher gruseligste Tag meines Lebens!

Herrchen bekam Post von „Amazon“, eine Maxi-CD von BAP: „Frauchen freut sich“ oder irgend so was, hab’s kaum verstanden, weiß nicht ob das deutsch gewesen sein soll. War ja eigentlich ein schönes Lied, aber – und jetzt wird’s gruselig: Herrchen sang mit! Na ja, singen konnte man es objektiv nicht nennen: Herrchen machte dazu seltsame Geräusche aus seiner „Fressluke“!

Dann stand er auf einmal auf und ich fürchtete schon, dass es noch schlimmer kommen würde: Dass er dazu tanzen wollte (grauenhafte Vorstellung, oder?). Aber er holte nur irgendetwas und pflanzte sich dann wieder auf seinen berühmt-berüchtigten Fernsehsessel, auch „Pupssessel“ genannt, warum verrate ich hier aber nicht ;-)!

Ich versuchte mir auf jeden Fall so gut es ging meine Pfoten vor die Leid geplagten Ohren zu halten und hoffte inständig, dass dieser Kelch so schnell wie möglich an mir vorüber gehen würde! Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, aber irgendwann hatte der Wahnsinn ein Ende und ich schloss das Fenster schnell wieder, aus dem ich gerade springen wollte. Seit diesem Vorfall hat Herrchen bei mir den Titel: „Seine Merkwürden Caruso der viertel vor Zwölfte“.

Mittwoch, 14.09.05: Oh Gott, heute ist etwas Schreckliches passiert, sozusagen der Supergau schlechthin: Herrchen kam vollkommen unerwartet und ohne jegliche Vorankündigung schon um kurz nach halb zwei nach Hause! Jetzt lag ich da, mit meinen zehn Hündinnen die mich gerade verwöhnten, einer dicken Zigarre im Maul, einem Glas Champagner und einer Dose Kaviar auf dem Tisch, das Kokain hing mir noch im Fell unter der Nase, im Videorecorder lief der Hundeporno „Acht Pfoten für ein Halleluja“ und im Kassettenrecorder dröhnte dazu „Who let the dogs out?“ von Baha Men auf vollster Lautstärke (selbstverständlich haben wir alle mitgebellt!)! Als Herrchen das sah, hörte und roch traten ihm (ähnlich wie bei einer Comicfigur) etwas die Augen vorne raus und das
ganze Gesicht entgleiste ihm Richtung Boden: Sah ziemlich heftig aus!

Ich hatte den Anschein, dass ihm das nicht so doll gefiel, was er der gerade mit ungläubigem Blick anstarrte! Und tatsächlich: Er fiel sogar ihn Ohnmacht! Aber genau das war DIE Chance für uns alle, bzw. für mich: Ich jagte die Hündinnen die Treppe hinunter, entsorgte Champagner, Kaviar und das Kokain bis auf den letzten Krümel, versteckte die Video- und Musikkassette, legte mich auf den Teppich, setzte meinen süßestenBlick auf und wedelte freudig mit dem  S c h w a n z , so als ob überhaupt nie etwas gewesen wäre.

Als Herrchen dann nach einer guten Stunde wieder zu sich kam, rieb er sich verdutzt die Äuglein und sagte „Ich glaube ich spinne!“, womit er eigentlich immer Recht hat ;-). „Hab ich das jetzt geträumt, oder was?“, stutzte er weiter. Ich lief zu ihm, sprang ihn freudig an und begrüßte ihn liebevoll, mit dem unschuldigsten Blick der Welt!

„Ich glaube ich werde alt“,, zweifelte Herrchen an sich. – „Du bist es schon längst!“, dachte ich!

Nachdem Herrchen vorsichtshalber mal Fieber gemessen hatte (bei sich!), sah man ihn noch den ganzen Tag kopfschüttelnd und mit leicht verzweifeltem Gesichtsausdruck durch die Wohnung irren.

Irgendwie ist er ja schon süß, der Große! Ich glaube, falls ich irgendwann noch mal von einer Hündin erfahre, dass ich doch mal Vater geworden bin (natürlich vor meiner blöden Kastration, wäre ja möglich!), bitte ich sie, den Nachfahren im Nachhinein noch nach meinem „Brötchengeber“ zu benennen: „Herrchen“.

Dienstag, 06.09.05: Ich muss immer wieder über mein albernes Herrchen lachen, denn folgendes Szenario trägt sich regelmäßig zu: Wir schlendern gemeinsam, bzw. ich führe Herrchen hinter mir an einer Langlaufleine mit, an einem scheinbar attraktiven Weibchen (= menschlichen Weibchen, also die Uninteressanten) vorbei. Dieses Weibchen dreht sich dann zumeist nach uns um und sagt voller Begeisterung „Ach, ist der süß!“

Jedes mal dreht sich daraufhin Herrchen um und grinst voller Freude wie ein Honigkuchenpferd, weil er denkt, das Weibchen hätte ihn gemeint! Und jedes mal verfinstert sich kurz darauf sofort seine Grinsefratze zu einem derben „Drei-Tage-Regenwetter-Gesichtsausdruck“ wenn er merkt, dass dieser enthusiastische Ausbruch der Entzückung selbstverständlich mir galt! Er ist dann immer ziemlich säuerlich drauf versucht aber, sich mir gegenüber nichts anmerken zu lassen! Ich lache mir dann aber trotzdem immer ins Fäustchen, weil er dann wirklich eine zu dämliche Fresse zieht! Ist schon ein alberner Sack, mein Herrchen, eigentlich fehlt ihm nur noch die rote Clownsnase!

Sonntag, 21.08.05.: Heute hat das olle Herrchen versucht, mich so ein dämliches Stöckchen holen zu lassen, das er zuvor extra weggeworfen hat! Ich weiß auch nicht was der feine Herr sich dabei gedacht hat, evtl. ein Anflug von „Größenwahn?“ Ich weiß es nicht! Naja, da er halt nun mal mein ?Brötchengeber? ist, getreu nach dem Motto: „Welch Brot ich ess, dess Lied ich sing“, habe ich mich notgedrungen bequemt, ihm sein albernes Teil wieder zu bringen!

Als er damit aber partout nicht aufhören wollte, genauer gesagt nach dem vierten Wurf, habe ich es einfach nicht mehr eingesehen so viel für so bisschen Futter leisten zu müssen – und außerdem kenne ich die Notrufnummer vom Tierschutz, falls er mir irgendwann mal ganz blöd daher kommt: Wie z.B. „Dann gibt es halt auch keine Leckerlis mehr!“ Also konnte ich mich ruhigen Gewissens darnieder legen und denn alten Trottel sein bescheuertes Stöckchen immer selber wieder zurückholen lassen! Nach dem siebzehnten Versuch hat er es dann endlich kapiert! Und genug blamiert hatte er sich dann auch vor den vielen Schaulustigen, die diesem absurden Treiben beiwohnten! Ihr hättet mal seine Fresse sehn sollen, die er anschließend gezogen hat! Menschen!

Samstag, 25.06.05: Oh Mann, heute Morgen hatte ich wieder eine Erscheinung der unheimlichen Art und ich kann nur sagen: „Sie sind unter uns!“ Es erschien ein blassgraues Etwas, mit einer Miene wie 3 Jahre abgelaufenes Sauerkraut. Es war nur schwer zu erkennen, ob diese Gestalt aufrecht ging oder auf allen Vieren durch die Gegend kroch. Jedenfalls war es ein jämmerlicher Anblick und alle Milchflaschen im Umkreis von 10
Kilometern versteckten sich rasch, aus Angst sofort in Säuernis zu verfallen. Schreckliche Töne stieß diese Kreatur aus: Es klang teils wie eine umgefallene Mülltonne, teils wie ein geschlechtskranker Elch, der gerade vom Zug überfahren wird. Je näher dieser lebende Haufen Sperrmüll kam, desto mehr ähnelte er unserer absonderlich, hässlichen Mülltonne, die ich persönlich schon längst ausrangiert hätte?aber mich fragt ja keiner!

Am liebsten hätte ich auch dieses sich krampfhaft in meine Richtung schleppende Geschöpf des Abstoßes sofort mit einer Abwehrrakete vernichtet und in seine erbärmlichen Einzelteile zerlegt, aber ich hatte ja nichts dergleichen vor Ort. So etwas besitzen meine Herrschaften ja leider nicht, diese Loser! Kurz bevor ich mich aus dem Fenster stürzen wollte, weil ich mir dieses Elend nicht länger mehr mit ansehen konnte – ich hatte den Müll schon in den Pfoten, den ich noch mit runter nehmen wollte, man muss ja auch praktisch denken –, erkannte ich: Uuups, das ist ja Herrchen!!!

Natürlich wedelte ich sofort freudig mit dem  S c h w a n z  und setzte schnell meinen süßesten, Hundeblick auf, das kommt immer an bei den Menschen!!! Er streichelte mich, begeistert von meinem Liebreiz und wir gingen (etwas später) gemeinsam schön Gassi und er gab mir lecker Hundefutter, so wie sich das gehört!

Nur gut, dass er meine Gedanken nicht lesen kann.

Autor: Stephan Bär

StephanBaer@gmx.de

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