Aus Felix Tagebuch: Von Katzen und Schweinen

Elisabeth „Sissi“ Kern, Obfrau der Felix Tierhilfe Gerasdorf e.V. in Seyring/Österreich versorgt seit einigen Jahren ausgesetzte, nicht mehr gewollte, mißhandelte oder herrenlose Tiere. Derzeit leben bei ihr mehr als 200 Tiere, überwiegend Katzen. Der Verein erhält keine finanzielle Unterstützung von Behörden oder sonstigen offiziellen Stellen und ist auf private Spenden angewiesen.

Oft hört man von Menschen den Satz: „Das ist meine Katze“. Ganz anders ist es bei uns. Sissi gehört uns und wir haben sie schon ganz gut erzogen. Manchmal bekommt sie halt eine Lektion, wenn sie sich nicht nach unseren Wünschen verhält. So wie erst vor kurzem …

Sissi war schon am Vortag hektisch, weil sie als Zeugin bei Gericht, wegen Streitigkeiten zweier Tierschutzvereinen aussagen musste und dieses ihr ganz und gar gegen den Strich ging. Wir hörten sie nur sagen, dass sie wieder stundenlang weg sein würde und auch, dass sie das ganze so unsinnig findet, denn anstatt der vielen Gerichtskosten könnten die Mäuler der vielen hungrigen Tiere gestopft werden. Also, da waren wir ganz ihrer Meinung.

Morgens stand sie schon ganz zeitig auf, was uns natürlich missfiel, denn viele von uns lagen noch gemütlich bei ihr im Bett und sie weckte uns rücksichtslos. Dann bekamen wir Futter zu einer ungewöhnlichen Zeit. Verschlafen machten wir ihr den Gefallen und leckten am Futter herum. Die Kistln wurden gemacht, weggeräumt etc. Schrecklich, diese Hektik in der Früh!

Nachdem Sissi gefrühstückt hatte, musste sie schlagartig aufbrechen, was uns allen sehr missfiel. Wir liefen noch in das Freigehege und starrten ihr nach. Wie sollen wir nun die vielen einsamen Stunden verbringen?

Eigentlich weiß ich gar nicht, wer damit angefangen hat, aber es war lustig. Sissi hat in der Hektik noch einen ganzen Sack Katzenstreu stehen gelassen. Wir haben diesen bearbeitet und langsam rieselte das Streu heraus. Das war ein tolles Spiel. Es hat gar nicht lange gedauert und der Sack war zur Gänze offen und die Streu war im ganzen Zimmer verteilt. Endlich ein „großes Kisterl“. Eifrigst benützen wir dieses auch.

Inzwischen haben die Hunde den Müllsack ausgeräumt. Papier, Kaffeesud, Milchpackerl etc. lagen überall herum. Nur, dass sie auch einiges an Müll in unser neues Kistl gelegt haben, missfiel uns sehr.

Ein Klirren. Ein Kumpel hat von der Kredenz ein Kaffeehäferl runtergeschmissen. Uii, das wird Ärger geben, denn es war ein Häferl von den „Schönen“. Aber Sissi soll sich nichts draus machen, denn das Service dank uns schon lange nicht mehr vollzählig. Auf das Eine kommt’s dann auch nicht an.

Nein, nun rieselt auch der Vollreis von oben auf uns herab! Wir wissen, dass Sissi ihn dort hin stellt, weil wir da eigentlich nicht hinkönnen. Aber wir können alles, speziell dann, wenn uns langweilig ist. Müde vom Spielen sind wir dann auch ruhiger geworden und hungrig.

Endlich, Sissi kam heim. Wir sammelten uns im Freigehege um sie zu begrüßen. Sie schaute auch sehr müde und mitgenommen aus. Sie tat uns fast Leid. Ich hörte, wie Sissi zu ihrem Mann sagte, dass sie uns noch füttert und sich dann niederlegen möchte.

Oh, je … Sie öffnete die Türe und wir sahen in ein entsetztes Gesicht. „Ihr seid Schweine“, sagte sie wirklich böse. Sie muss wirklich müde sein, wenn sie nicht mal mehr Katzen von Schweinen unterscheiden kann. Sie holte Schaufel und Besen und räumte unser „großes Kisterl“ weg. Zwischen unseren Fäkalien fand sie dann auch noch die TV-Fernbedienung. Aber das waren wir sicher nicht, ganz ehrlich, das waren die Hunde. Sie musterte uns genau, aber wir alle hatten den unschuldigsten Blick aufgesetzt, den man nur haben kann.

Wir erschwerten ihr auch das Saubermachen, weil wir auch schon Hunger hatten. Kann sie das nicht später machen?

Sie war noch nicht ganz fertig mit dem Wegräumen des großen Kistls, als sich vor ihren Augen der Kater Amigo in diesem noch erleichtern musste. Er wollte ihr so doch nur zu verstehen geben, dass er das Kistl auch behalten will, aber sie verstand diesen Wink nicht.
A propos Amigo – heute will ich Euch auch noch die Geschichte von ihm erzählen:

Sissi brachte ohne Vorwarnung einen riesigen Kater zu uns. Anfangs hatten wir Angst vor dem großen, mächtigen Kerl. Doch als er sich als Angsthase entpuppte und als sanftes Lamm, der nichts anstellt und nur brav in einer Ecke sitzt, schwand unsere Angst sofort.

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Amigo war erst ca. 2 Jahre alt und wir erfuhren, dass er schon ein bewegtes Leben hinter sich hatte. Als er ein Baby war, kam er als „Spielkatze“ zu einem Kleinkind. Dieses hat ihn gezupft, am Schwanz gezerrt usw. In der kleinen Wohnung hatte er auch keine Fluchtmöglichkeit. Er äußerte dann seinen Unmut über diese Behandlung mit Urinieren auf die Spielsachen des Kindes. Umgehend wurde er dann zu Freunden dieser Familie abgeschoben, die ihn nicht seinetwegen, sondern aus Freundschaft den Leuten gegenüber genommen haben. Von dort fiel er aus dem Fenster und war verletzt. Er wurde zum Tierarzt gebracht, und als die Leute den Operationspreis hörten, haben sie Amigo dort zurückgelassen.

Von diesem Tierarzt wurde er dann – wieder gesund – an einen Mann vermittelt, der noch nie Katzen gehabt hatte. Er hatte Vögel. Und als sich Amigo für die Vögel stark interessierte und ständig am Käfig hockte und damit die Vögel verschreckte, schlug der Mann den Kater. Als er auf Grund des Schlagens mit Unsauberkeit protestierte, kontaktierte der Mann unsere Sissi. Diese holte Amigo umgehend ab. Sie brauchte den sanften Kater erst gar nicht separieren, er war hier gleich daheim, nur eben schüchtern. Zwar haben wir ihm gezeigt, was Spielen ist und auch, dass man Unfug treiben kann, aber die Sanftmut ist ihm bis heute geblieben.

Wir waren deshalb auch alle todunglücklich, als er auf einen „Traumplatz“ vermittelt wurde. Wir trauerten echt um ihn, und wie wir später erfuhren, er auch um uns. Am neuen Platz verweigerte er das Futter, wurde kratzbürstig (er??!!) und versteckte sich nur hinter dem Küchenkastl und kam nicht hervor. Wenn die Leute ihn hervor holen wollten, bekamen sie unter Pfauchen auch seine Krallen zu spüren.

Als Sissi hingefahren ist und seinen Namen rief, kam er aus dem Versteck hervor, sprang wie ein Hund an ihr hoch und schnurrte so laut er nur konnte. Sie brachte ihn wieder heim und die Wiedersehensfreude war allseits groß. Wir waren dauernd hinter ihm her und prüften die neuen Gerüche, die er an sich hatte. Er ging von einem zum anderen um Kopfi zu stoßen.

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Auf dem Bild könnt ihr sehen, dass er sich hier verdammt wohl fühlt. Wenn fremde Leute herkamen, verschwand er die erste Zeit spurlos, er war nirgends zu finden. Wir wussten immer, wo er war, aber wir verrieten ihn nie, denn wir wollten ihn nicht noch einmal hergeben müssen. Heute kommt er sogar bei fremden Menschen hervor und zeigt wie schmusig er ist. Er hat sein Vertrauen wieder zurück gewonnen und ist ein prächtiger, selbstbewusster Kater geworden.

Euer zufriedener Felix

Autor: Sissi Kern

assissi@utanet.at

http://www. tierhilfe-gerasdorf.at.tt

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1 Kommentar

    • irmgard on 15. Oktober 2007 at 15:11
    • Antworten

    Seid so vielen Jahren kümmert sich Sissy liebevollst und engagiert um Ihre *Kinder*, Lob und Anerkennung erntet sie wenig, im Gegenteil … sie wird oft belächelt und als Spinnerin abgetan.

    Ich finde es gebührt ihr ein Podest, für ihr Lebenswerk, in Ihrer kleinen Welt herrscht Gleichgewicht und Lebensglück.
    Besonders zu erwähnen ist auch der Ehemann Franz von Sissy der mit seiner Toleranz und Unterstützung das Tierleid vermindern hilft.
    Ich durfte das Ehepaar vor vielen Jahren kennenlernen und bin fasziniert wie aus einer kleinen Tierstation/Hilfsaufgabe mit vier Hunden und glaubl. 4 Katzen vielen Vögeln und Papageien eine wirklich beachtliche Station wurde.
    !!!Untertützungswürdig!!!

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