Churchill erzählt seine Geschichte

Guten Tag, mein Name ist Churchil der Schöne. Ich wurde am 05.05.2001 in Istanbul geboren. Meine Mama war eine ehemalige Straßenkatze. Ich habe noch einen Bruder Namens Kaptan. Leider ist mein Bruder Kaptan schon über die Regenbogenbrücke gegangen, dazu später mehr.

Also wie schon erwähnt ich wurde in Istanbul geboren. Ich hatte das Glück. bei einer lieben Tierschützerin mit Namens Ishin aufzuwachsen. Mein Leben war bestimmt von Spielen, Fressen und mit den anderen Katzen zusammen Leben.

Ishin wünschte sich für mich und meinen Bruder immer ein schönes Zuhause. Sie lernte 2003 eine deutsche Tierschützerin kennen, die in der Türkei tätig war. Damals erzählte Ishin von ihren vielen Katzen und auch von uns. Diese Tierschützerin versprach zu helfen, aber da die Tierschützerin mehr auf Hunde bedacht war, gerieten wir ein bisschen in Vergessenheit.

Es fehlte uns ja auch an nichts. Wir bekamen lecker Fresserchen, ab und zu mal ein paar Streicheleinheiten, es lebten immerhin noch an die 70 andere Katzen mit uns in diesem Haus, und so war es gar nicht so einfach, jedem gerecht zu werden. Nun ja unsere Leben ging so Tag ein und Tag aus :O)

Im Frühjahr 2004 war es dann soweit, die deutsche Tierschützerin und unser Türkischen Frauchen traten wieder in Kontakt und verabredeten das ein paar von uns nach Deutschland reisen dürften. Ich wusste gar nicht wie mir geschah, am 11. Juni 2004 sind mein Bruder und ich dann flugfertig gemacht worden. Mein Gott, war das aufregend! Wir dachten die ganze Zeit, was wohl jetzt mit uns passieren würde, wo wir hinkommen. Es war eine Reise in die Ungewissheit.

Wir sind dann nachts um 24.00 Uhr in Frankfurt gelandet, dort haben wir dann das erste mal unser „neues Frauchen“ gesehen. Sie heißt Tanja und wohnt im Taunus. Also Tanja hat uns dann ins Auto gepackt und ist mit uns zusammen in ihr Zuhause gefahren.

Mein Gott, ich kann euch sagen, wir waren ganz schön erschrocken, als wir dort angekommen sind. Dort lebten 4 Hunde, HUNDE!!!! Und noch eine weiter Katze, die auch aus Istanbul stammte. Nikita, so heißt die Katze, kommt auch von Ishin, sie lebte allerdings nicht mit uns zusammen, sondern wurde im Dogpark von einer Hündin großgezogen. Und nun lebte sie hier bei Tanja und Stefan. Wenigstens ein vertrautes Miauen aus der alten Heimat .Wir waren sehr gespannt wie sich das leben hier entwickeln würde zusammen mit 4 Hunden und einer Kätzin, die ein bisschen zickig schien. Aber Kaptan und ich sagten uns, wir benehmen uns mal ganz anständig und schauen uns diese Merkwürden Wuffels und diese kleine Glückskatze erstmal an.

.Unsere erste Nacht:
Tanja’s Mann, hat uns dann begutachtet und befand uns als sehr hübsche und große Kater :O) Dann wurden wir in das Zimmer von Nina (sie ist die Tochter, und war damals 6 Jahre alt) gebracht. Tanja erklärte das wir erstmal in diesem Zimmer bleiben würden, bis wir uns ein bisschen eingewöhnt haben.

Kapi und ich sind dann aus unserer Box gedüst, wir waren noch ziemlich wackelig auf den Beinen, denn man hat uns für den Flug ein Beruhigungsmittel gegeben, damit wir nicht randalieren im Flugzeug, aber vor allem damit wir nicht so große Angst bekommen.

Tja, wir haben uns dann erstmal umgeschaut wo wir hier sind, es sah alles ganz anders aus, als bei Ishin in Istanbul. Wir haben es aber als sehr schön empfunden. Tanja hat uns dann erstmal versorgt mit Futter und Wasser. Dann haben sie uns in Ruhe gelassen, und wir konnten ein bisschen rumschnüffeln und begutachten was so alles in diesem Zimmer war. Es dauerte nicht lange und wir sind vor Müdigkeit zusammen eingeschlummert. Ich träumte von meiner alten Heimat, von Ishin und all meinen Freunden in Istanbul. Ich war gespannt was uns hier in diesem Land alles erwartet und was wir hier erleben würden. Ob wir hier auch neue Freunde finden würden, ob wir hier wieder wegmüssen, soviel ging mir durch mein kleines Köpfchen. Kapi schnarchte und fühlte sich sichtlich wohl. Er war eh von uns beiden der coolere, als ich ihn weckte und erzählte was ich geträumt habe und was mir so alles durch den Kopf ging sagte er mir nur, „entspann dich alles wird gut werden, ich bin ja bei Dir.“

Ich entspannte mich, denn er hatte ja Recht, das wichtigste war er war bei mir und ich war nicht alleine in dieser neuen Fremden Umgebung wo alle nach Hund roch und alles so neu und Merkwürdig aussah.

Der erste Tag
Am Morgen wurden wir durch Nina geweckt. Sie war mindestens genau so aufgeregt wie wir. Sie bestaunte uns und redete mit uns. Sie erzählte, dass wir nun in Sicherheit wären, dass wir keine Angst haben brauchen, und sie auf uns aufpasst. Wir fanden es sehr schön, dass so ein kleines Mädchen so liebevoll mit uns umging.

Sie ging aus dem Zimmer und ist zusammen mit Tanja wieder gekommen, wir haben unser Frühstück bekommen. Tanja hat sich sehr gefreut, dass wir unser Geschäfte schön brav im Katzenklo erledigt haben und gab uns in unser Wasser so merkwürdige Tropfen. Sie erzählte uns es wären Bachblüten und die würden uns helfen, damit wir uns hier besser einlebten und unserer Vergangenheit nicht nachtrauerten. Diese Tropfen verfeinerten das Wasser, also uns haben sie geschmeckt. Und wir fühlten uns danach gleich gelassener und entspannter.

Kapi meinte er beobachte alles erstmal aus der Ferne, und stellt Euch vor, ich, der eigentlich eher der ängstliche ist, ich bin rumgelaufen und habe mir das ganze Zimmer betrachtet. Auch bin ich ein bisschen auf Tanja und Nina zugekommen, aber anfassen lassen wollte ich mich noch nicht so richtig. Ich war sehr Interessiert an diesem Zimmer. Wenn Tanja und Nina aus dem Zimmer waren, dann sind wir zwei erstmal auf Entdeckungsreise gegangen und haben uns diese ganzen Stofftiere angesehen und mir ihnen gespielt. Ab und zu ist einer der Hunde in das Zimmer gekommen. Sunny, so heißt die eine Hündin, sie ist riesengroß und hat blondes Fell und eine ganz dicke Nase, sie war besonders neugierig, sie wollte uns ständig beschnuffeln und mit uns spielen. Wir waren gar nicht so begeistert von diesem etwas tollpatschigem Etwas. Aber wir waren auch nicht feindlich ihr gegenüber.

Kapi sagte, dass er denkt, wir werden hier schon gut klar kommen, wir müssten erstmal die Hunde in den Griff bekommen und alles andere kommt von selbst. Also, wenn mein Bruder das schon sagt, er hatte ein wirklich gutes Gespür für seine Umwelt und konnte Situationen gut einschätzen, dann brauchte ich mir keine sorgen machen. Wir beschlossen uns hier wohlzufühlen und uns von unserer besten Seite zu zeigen.

Unser Leben am Bornwald 5
Wir haben uns gut eingelebt, mein Bruder Kapi ist sogar schon soweit und lässt sich richtig anfassen, er meint es tut gut wenn man so durchgeknuddelt wird Na ja, ich weiß nicht so recht, ob ich mich das schon trauen kann. Lieb sind die hier alle zu mir und meinem Bruder, sogar die Hunde sind ganz lieb zu uns, nur diese kleine Nikita scheint uns nicht wirklich zu mögen, aber damit können wir leben.

Jeden Abend, wenn Nina schläft kommt, kommt Tanja noch mal in unser Zimmer und dann krabbelt sie aufs Hochbett, wo wir meistens liegen, und legt sich zu uns. Sie redet dann ganz lieb und sanft auf uns ein und erzählt uns, wie schön es ist geknuddelt zu werden. Dann legt sie sich ganz ruhig hin und beobachtet uns. Na, da hab ich mir dann auch mal ein Herz gefasst und bin zu ihr getigert. Ganz vorsichtig hab ich sie beschnuppert und mich neben sie gelegt, und ich muss sagen die Berührungen haben wirklich gut getan. Hm, da hat mein Bruder wieder mal recht behalten.

Das einzige, was mich wunderte, war, dass der Hausherr Stefan uns sehr selten besuchen gekommen ist. Ich fragte Kapi, was er davon hält, ob er auch denkt, er mag uns nicht. Kapi erzählte mir dann, dass er eine Unterhaltung mitbekommen hat. Tanja hat Stefan wohl gesagt wie toll wir zwei wären, und dass sie es Schade fände, dass Stefan so wenig nach uns sehen würde. Stefan hat darauf geantwortet, er wolle nicht so einen engen Kontakt zu uns, denn wir sollten doch in ein neues Zuhause vermittelt werden, und wenn er sich so doll mit uns beschäftige dann wolle er uns nicht mehr hergeben!

Mir wurde ganz schlecht. „Wie, in ein neues Zuhause ?„ fragte ich Kaptan. „Ich denke, das ist unser neues Zuhause?“ Kapi schaute mich mit seinen großen grünen Augen an und sagte, „hör zu Bruder, wenn du, wie ich, willst, dass wir hier bleiben, und nicht noch mal wo anders hinkommen, dann müssen wir jetzt handeln.“
„Was sollen wir tun“,, fragte ich ihn.
„Wir werden Stefan erobern, wir werden ihn davon überzeugen, dass wir zwei super Kerle sind, die er nie wieder her geben will. Wir müssen jetzt all unseren Mut zusammen nehmen und unser Angst beiseite schieben.W werden versuchen, aus dem Zimmer hier raus zu kommen und uns an Stefan ranschmeißen.“

Ich fand den Plan sehr gut, ach was war ich froh, dass ich einen so klugen Bruder hatte, der immer wusste, wo es einen Ausweg gab. So geschah es, dass wir immer wenn Tanja in unser Zimmer gekommen ist, versuchten aus der Tür zu schlüpfen, leider hat sie es immer gemerkt, aber eines Tages so ca. eine Woche nach unserer Ankunft, hat sie uns von selber raus gelassen.

Wow, da war ja noch viel mehr zu entdecken! Wir liefen langsam durch die Wohnung, erstmal nur den Flur lang, dann wieder zurück ins Zimmer von Nina, aber so nach und nach trauten wir uns nach vorn. Das heißt, eigentlich war Kapi derjenige, der mich dazu überredete, nachdem er aus dem Wohnzimmer gekommen ist, und erzählte, dort wäre eine tolle Couch, wo man super kuscheln könnte.

Also bin ich ihm gefolgt, immer auf unseren Fersen, dieser trottelige blonde Hund, der Sunny hieß, mein Gott, die war aufgeregter als wir. Wir haben also unsere Taktik anwandt und haben Stefan umgarnt. Das war gar nicht schwer. Der tut nämlich nur so, als wäre er ein harter Kerl, in Wirklichkeit hat er ein Herz aus Butter.

Kapi hat sich selbst übertroffen, er hat geschmust und geschnurrt wie ein kleines Kätzchen, ich war da doch ein bisschen mehr zurückhaltender. Ja mein Bruder ist halt ein Draufgänger.

Wir lebten jetzt also mit der Familie zusammen. Wir konnten in jeden Raum gehen, wir haben mit den anderen Zusammen in der Küche unser Fresserchen bekommen, und es ist uns einfach nur gut gegangen. Stefan hatten wir längst in der Tasche, bei Tanja war schon länger klar, dass sie uns behalten wollte. Wir waren so charaktervoll, sagte sie immer, dass sie uns nie mehr hergeben würde. Irgendwann wurde dies dann auch ausgesprochen. Mein Gott, mein Herz hat einen Sprung gemacht, denn ich fand das hier wirklich Klasse. Sogar die Hunde fand ich toll, diese Sunny, die ist echt der Kracher. Meine Güte, aus diesem Hund würde auch eine gute Katze werden.

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Das erste mal Freiheit fühlen
Unsere Tage gingen und kamen und wir fühlten uns richtig wohl hier. Kapi endeckte, dass, wenn man aus dem Fenster sah, dort ein Garten war. Immer mehr und mehr haben wir aus dem Fenster gesehen. Nikita, die zickige kleine Türkin, die durfte da raus, sie ging und kam wie sie wollte. Sobald sie an der Tür stand, wurde ihr die Tür geöffnet. „Mann“, sagte ich zu Kapi, „was denkst du? Einmal da draußen rumlaufen und alles erkunden – das wäre ein Abenteuer!“

Dieser Duft nach Abenteuer und Freiheit, nie zuvor habe ich den so stark verspürt, auch Kapi war sehr aufgeregt und sagte mir, „bestimmt dürfen wir das auch. Wenn Nikita das darf, dann dürfen wir das auch. Wir müssen darum bitten. Lass uns einfach ständig vor der Tür stehen und raus sehen, sie werden schon verstehen was wir wollen, denn sie verstehen uns doch mittlerweile total gut. Um nicht zu sagen, wir haben die Menschen schon fest im Griff.“
Ich musste ihm beipflichten. Wir waren schon ein Klasse Team :O)

Dann war es soweit. Tanja machte die Tür auf, es roch nach Sommer nach Freiheit, Abenteuer. Das leben, das wirkliche Leben, es lag vor uns, wir mussten nur raus gehen! Meine Güte, wir waren so aufgeregt! Kapi machte, wie immer, den Anfang. Er stiefelte einfach frech und lustig raus. Er lief auf der Wiese lang und beschnüffelte alles. Natürlich war Sunny dabei. Überall wo Kapi war, war auch dieser tollpatschige Hund.

Okay, also los, sagte ich mir, und folgte Kapi. WOWWWWWWWWWWW – was ein Gefühl! Dieses Gras unter den Pfoten, so weich, alles roch so neu, so nach Freiheit. Tanja hat sich zu uns gesetzt und uns beobachtet. Wir konnten Tränen in ihren Augen sehen. Kapi sagte es seien Tränen des Glücks, sie freut sich das wir uns freuen.

Wir begannen alles zu entdecken, erstmal den Garten und die Büsche hier in der Umgebung. Langsam dehnten sich unser Spaziergänge aus, aber wir wussten ja, wo wir zuhause waren, und sind auch immer schön brav nachhause gekommen.

Ich sage Euch unser Leben hat echt an Abenteuer gewonnen. Kapi war völlig außer sich vor Begeisterung .

Ich hab mir eher hier die Umgebung angeschaut. Ich habe mich dem Nachbarskater angefreundet. Fritz ist sein Name, ein echt netter Kerl. Er sieht ein bisschen zerzauselt aus, ist aber ein lieber Kerl, er hat mir hier alles gezeigt, und mich eingeführt. Er lebt übrigens auch mit einer ziemlichen Zicke zusammen, die heißt auch Nicki, die würde gut mit unserer Nikita zusammen passen, die ist auch immer so bockig. Also Fritz und ich haben uns verstanden, das fand ich schon mal Klasse.

Kapi hat mir erzählt, wenn er Abends zurück gekommen ist, wo er lang spaziert ist. Ich habe fast ‚ne Herzattacke bekommen, da erzählt er mir, dasd er über die große Straße geht, die wirklich einige Meter von Tanjas und Stefans Haus ist. Ich hab ihm gesagt, dass ich das für sehr gefährlich halte. Mein Bruder hat mich ausgelacht. Er meinte, das sei wieder mal typisch für mich. Bah, dachte ich mir.

Kapi erzählte mir, dass auf der anderen Seite eine nette Familie wohnt, die ihm immer wieder leckere Sachen zum Fressen gibt, und dass es dort drüben auch spannende Sachen zu entdecken gab. Ich glaubte ihm das gerne, aber die große Straße machte mir schon Angst.

Er versprach mir, wenn ich Lust hätte, würde er mich mal mitnehmen. Ich sagte ihm, dass ich es mir überlege, und es besser fände, wenn er mit mir und Fritz hier durch den Wald streifte. Kapi überlegte es sich, aber er ist nur ein zwei Mal mitgekommen, dafür hat wieder eine neue Fressquelle entdeckt. Ich hab ja erzählt, dass Kapi ein echter Draufgänger ist, bzw. war. Er ist also rüber zu Tanja’s Nachbarn gestiefelt und hat sich dort immer auf die Fensterbank gesetzt, wenn Fritz sein Herrchen da war, dann hat er ihn immer ordentlich bezirzt, und anschließend ist der freche Kerl einfach bei Matthias (so heißt der Nachbar) reingestiefelt und hat sich durchgefuttert. Das ist ein Kerl, so was würde ich mich nie trauen.

Wir hatten ein echt tolles Leben, abends schliefen wir auf der Couch im Wohnzimmer und wurden geknuddelt. Kapi meh,r denn er wollte mehr Streicheleinheiten als ich. Ich brauche halt länger. Weiß ich. ob man denen so trauen kann ? Aber ich fühlte mich wirklich zuhause, so richtig zuhause :O)

Eines Morgens, Kapi war wieder unterwegs auf der anderen Seite, dachte ich mir, bah was der kann, das kann ich auch. Klasse, ich wurde natürlich erwischt! Tanja wollte zur Arbeit fahren, und ich war gerade dabei, in aller Gemütsruhe die große Straße zu überqueren. Ich dachte mir, die Autos halten schon, wenn sie mich sehen.

Plötzlich stand Tanja vor mir. Sie ist aus dem Auto gesprungen und auf mich zu gerannt. Ups, dachte ich, jetzt gibt es Mecker, Tanja hat so was von geschimpft, meine Herrn, das hatte sich gewaschen! Sie packte mich, was ich gar nicht gut fand. Ich versuchte, ihr zu entwischen, was leider nicht klappte, und sie brachte mich wieder nachhause. So, da saß ich nun, mein Bruder auf der anderen Seite und ich hier drin, die Tür war zu, nur die Hunde waren da. Ich hatte ne Menge Zeit zum Nachdenken. Ich überlegte mir warum Tanja so sauer war. Klar, was ich da getan hatte, war nicht ganz ungefährlich, aber ich kann schon auf mich aufpassen. Mein Gott, ich komme aus einer Großstadt!

Na ja, als mittags wieder alle da waren, und mein heldenhafter Bruder auch mal wieder rein gekommen ist, habe ich ihm natürlich sofort erzählt, was mir passiert ist. „Das ist tpyisch du“, sagte er, „dass du dich aber auch immer erwischen lassen musst!“

Mittlerweile wurden die Tage kälter und vor allem nasser. Das Nass von oben fanden wir gar nicht toll. Ekelhaft ist das, wenn man so von oben beregnet wird. Wir verbrachten viel Zeit im Haus, wir kuschelten auf dem Sofa und ich erklomm mir meinen Lieblingssessel. Ein toller Sessel ist das, da ist so ein kuschelweiches Fell drauf, da kann man sich so richtig reinkuscheln.

Kapi wurde zum Couchkater. Er genoss es, sich den Bauch kraulen zu lassen und bewundert zu werden. Kapi hatte auch die Hunde voll im Griff. Wenn ihm einer zu blöd gekommen ist, zack, hatte er eins auf der Nase. Tanja meinte immer, ich würde so aussehen, als bräuchte ich ein bisschen länger, bis ich was kapieren würde. Bah, wie sie nur darauf kam? Ich bin halt eher der zurückhaltenden Typ, ich lasse mich nicht so schnell durchknuddeln. Immerhin habe ich Charakter und mache noch lange nicht das, was meine Menschen von mir erwarten.

Tja dachte ich mir so, wenn der Regen gegen die Scheiben prasselte, das ist schon ein tolles Leben, so in Freiheit und mit einer Familie, mit einem Sessel, Spielzeug und gutem Fressen, was kann sich eine Katze mehr wünschen? Auch Kapi empfand das so und war sehr glücklich hier zu sein, hier bei Tanja Stefan und Nina.

Mein schlimmster Tag
Wir gingen raus, wenn es trocken war und waren drin, wenn es zu doll von oben nass wurde. Ich machte noch einige Ausflüge über die große Straße mit Kapi zusammen, war aber auch viel hier unterwegs, im Wald in den Büschen und rund um den Bornwald, hier gab es genug zu entdecken. Eines Tages ist es dann passiert. Es war ein kalter Tag im Oktober, es war der 28. Oktober, um genau zu sein. Mein Bruder Kapi war mal wieder unterwegs auf der großen Straße, da ist es passiert: Ein Auto hat ihn erwischt und hat ihm den Schwanz gebrochen, bzw. so erzählte Tanja es mir, Kapi hat einen Schwanzabriss gehabt.

Stefan ist völlig durcheinander mit Kapi zur Tierärztin. „Keine inneren Verletzungen, aber der Schwanz, das sieht nicht gut aus“, sagte sie. Sie erklärte Stefan, was er alles machen soll, was Kapi für Medizin bekommen soll, und wann er wieder kommen soll. Kapi hat mir das alles erzählt. Er hatte starke Schmerzen und war sehr schwach. Als Tanja nachhause gekommen ist – sie war an diesem Nachmittag auf einem Seminar – war sie völlig fertig. Wir waren alle fertig, ich wollte wissen, was ich tun kann, aber Kapi sagte: „Ddu kannst nichts tun, bete nur, dass ich wieder auf die Beine komme. „

Kapi wurde von Tanja in eine Decke gepackt und lag die ganze Zeit auf ihrem Schoss. Überhaupt war mein Bruder so anders, er sprach so anders, so als ob er mir sagen wollte, es könnte sein, dass er bald für immer gehen muss.

Kapis Zustand wurde schlechter, mein Bruder konnte nicht mehr auf Toilette gehen, er hatte Schmerzen, auch Tanja und Stefan merkten es sofort. Also fuhren sie mit Kapi wieder zum Tierarzt. Die Ärztin sagte, es wäre ihr lieber, wenn Kapi in ein Tierkrankenhaus kommt, denn dass er kein Pipi macht, sei kein gutes Zeichen. Sie drückte Kapi noch mal die Blase aus, was sehr schmerzhaft war, sagte mir Kapi, und dann rief sie in der Tierklinik an.

An diesem Abend, hat mich mein Bruder zur Seite genommen, er sprach: „Churchi, versprich mir, dass du immer so bleibst wie du bist. Versprich mir, das sdu lieber jenseits der großen Straße bleibst. Versprich mir, dads du dich nicht in Gefahr begibst. Versprich es mir!“, sagte er mit Nachdruck.
„Natürlich verspreche ich dir das“, sagte ich ihm. „Aber, Kapi, wieso redest du so? Was ist los, was passiert mit dir?“ Er sagte mir, dass er morgen in die Tierklinik müsse und das er fühlt, es geht nicht gut aus. Er hatte Schmerzen und er hat kein Gefühl mehr in seinem Popo und seiner Blase. Er hat mir versprochen zu kämpfen aber er sagte mir auch ich soll nicht traurig sein, wenn er nicht mehr zurück kommen sollte.

Mir war ganz seltsam zumute in dieser Nacht. Ich hatte Angst, große Angst um meinen Bruder. Am nächsten morgen fuhr Tanja mit Kapi in die Klinik. Als sie wieder nachhause gekommen ist, war Kapi nicht dabei. Ich dachte NEIN NEIN NEIN!

Tanja ging auf mich zu und erklärte mir, dass Kapi in der Klinik bleiben muss, dass sie alles versuchen werden um ihm zu helfen. Jeden Tag rief Tanja in der Klink an. Ich saß in meinem Sessel und hörte genau zu. „Nichts neues“, erzählte sie Stefan, „eventuell können wir ihn morgen abholen.“ So ging es eine Woche lang. Dann kam der Anruf von der Klinik, Tanja konnte meinen Bruder abholen. „Die Chancen stehen 50 zu 50“, sagte sie zu Stefan.

Mein Gott, was Tanja in dieser Woche geweint hat! Ich hätte ihr so gerne geholfen, aber auch ich war so hilflos und ohnmächtig.

Ich war zuhause als Kapi gekommen ist. Er roch so nach Krankenhaus, und er sah sehr müde aus, aber auch glücklich zuhause zu sein. Ich fragte ihn, sofort „Na, wie geht es dir?“ – „Ach, Churchi“, sagte er, „weißt du, wenn du nicht mehr weißt, ob du aufs Klo musst oder nicht, ist das wirklich nicht schön. Alles tut mir weh. Ich bin hier um Abschied zu nehmen. Abschied von dir, mein geliebter Bruder, und Abschied von meiner Familie, von Tanja und Stefan und von Nina, ja sogar auch Abschied von den Hunden. „

Mir war mein Herz so schwer, ich hatte einen riesigen Kloß im Hals. „Wie, du nimmst Abschied? Was soll das heißen?“ – „Ich kann und will so nicht leben, lieber Churchi, und ich hoffe sehr, dass Tanja das sehen wird, und ich bete, dads sie mich erlösen werden. Ich möchte über die Regenbogenbrücke gehen, Churchi. Dort, wo alles wieder gut ist, dort wo alle Tiere und Menschen glücklich sind, dort will ich hin, um dann darauf zu warten das wir uns irgendwann wieder sehen, mein geliebter Bruder.“

Ich dachte mir bricht das Herz, als mein Bruder so mit mir sprach, aber ich wusste auch, was er meinte. Kapi war ein so kluger Kater, er war so voller Liebe und Abenteuerlust, er kannte keine Angst, er war der wunderbarste Bruder den man sich wünschen kann.

Kapi ist am 10. November 2004 über die Brücke gegangen, in unserem Herzen wird er immer sein und eines Tages werde ich ihn wieder sehen. Wir alle werden uns wieder auf dieser Brücke treffen.

Mein geliebter Bruder du wirst mir fehlen.

Autor: Tanja und Stefan Mannweiler
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